Palaemonetes antennarius - Europäische Süsswassergarnele

geschrieben von  Werner Klotz
Deutscher Name:
Europäische Süsswassergarnele
Wissenschaftlicher Name:
Palaemonetes antennarius
Herkunft / Verbreitung:
Süss und Brackwässer im Mittelmeerraum
Beschreibung:
farblos, leicht bräunlich oder grünlich gefärbt, mit weißlichen Punkten. Rostrum gerade, oben mit 3-6 Zähnen, der letzte nur wenig hinter der Orbitalgrube, unten mit 1 oder 2 Zähnen. Durch die langen, gut ausgebildeten Scherenbeine leicht von der ebenfalls aus dem Mittelmeergebiet stammenden Atyaephyra desmarestii zu unterscheiden

Geschlechtsunterschiede:
Weibchen größer als Männchen, bei trächtigen Weibchen Eier im Hinterleib sichtbar
Größe der Weibchen in mm:
23-32
Größe der Männchen in mm:
21-28
Schlüsselmerkmale:
2. Schreitbeinpaar größer als 1. Schreitbeinpaar
Alterserwartung:
2 Jahre
Wassertemperatur:
> 18 °C für die Dauer von 4 Monaten/Jahr, 27°C werden vertragen
Härte:
von kritischer Bedeutung, siehe Beschreibung
PH-Wert:
>8,0
Beckengröße:
ab 25 l
Beckeneinrichtung:
stark bepflanzt
Futter:
Algen, Mückenlarben, Tubifex, kleine Wasserschnecken, Futtertabletten
Verhalten:
friedlich
Vergesellschaftung:
Anderen Zwerggarnelen
Art der Vermehrung:
Weibchen bereits im 1. Jahr fortpflanzungsfähig, je nach Wassertemperatur von Mai bis Juni eiertragend. Anzahl der Eier 20-60 je nach Größe der Weibchen. Die Jungtiere schlüpfen mit einer Körperlänge von ca. 5mm und durchlaufen im Süsswasser mehrere Larvenstadien.
Gelegegrößen / Nachwuchsanzahl:
20-40
Häufigkeit der Vermehrung:
1 / Jahr
Zucht:
Im ausreichend dimensionierten, gut eingefahrenen Becken leicht möglich. Bei gleichmäßiger Wassertemperatur in beheizten Räumen verlieren die Tiere die saisonale Fortpflanzungsperiodik und es treten ganzjährig eiertragende Weibchen auf.
Die geschlüpften Juntiere können mit Artemia oder fein zerriebenem Flockenfutter ernährt werden. Im gut eingefahrenen Becken vermehren sich die Tiere ohne Zutun des Besitzeres.
Bemerkungen:
Die Europäische Süßwassergarnele, Palaemonetes ist in vielen Binnengewässern des mediterranen Raumes zu finden, in Italien, Dalmatien, Griechenland, auf den ägäischen und ionischen Inseln und in der Türkei wurden Vorkommen beschrieben. Im oberitalienischen Raum ist die Art nur im Bereich des südlichen Gardasees und in verschiedenen Fließgewässern der Poebene zu finden[3]. Im Gardasee ist ihre Verbreitung af den Bereich südlich der Linie Garda ? Maderno beschränkt, wo sie in den Unterwasserwiesen der Hafenanlagen in z.T. erstaunlich hohen Besatzdichten zu finden ist. Im Hafengebiet von Pacengo betrug die Besatzdichte 772 +/- 397 Individuen pro Quadratmeter! [1,3]. Außerhalb der Unterwasserwiesen leben die Tiere zwischen Felsspalten und Geröll und kommen Nachts zum Abweiden der Steinoberflächen hervor. Tagsüber halten sie sich meist versteckt.
Die Garnelen ernähren sich von Aufwuchsorganismen (Fadenalgen, Kieselalgen, andere einzellige Algenarten sowie Mückenlarven)[3]. P. antennarius ist zweijährig, aber bereits im ersten Lebensjahr fortpflanzungsfähig, 28-42 Eier werden im Zeitraum Mai-Juni an den Pleopoden befestigt, im Zeitraum Juli-August schlüpfen die Jungtiere.[3] Diese machen in ihrer Entwicklung 3 larvale und 2 postlarvale Stadien durch, nach 13-16 Tagen, vom Schlüpfen gerechnet ist das adulte Stadium erreicht [7].

Neben den Vorkommen im Süßwasser sind aber auch Brackwasservorkommen beschrieben worden [6,7]. Hier muss auch erwähnt werden, dass P. antennarius eng mit der nordeuropäschischen Brackwassergarnele P. varians verwandt ist, von der sie erst 1938 als selbständige Art abgetrennt worden ist.

Von der ähnlichen europäischen Süßwasserart Atyaephra desmarestii ist P. antennarius durch das verlängerte 2. Laubeinpaar zu unterscheiden.

Als einheimische (europäische) Art und harmloser Allesfresser ist dise Garnele für die Haltung im Süßwasseraquarium ein interessanter Kandidat. Aufgrund der beschränkten Verbreitung der Art auf den südlichen Gardasee und dem völligen Fehlen in anderen Oberitalienischen Seen muss aber geschlossen werden, dass diese Art sehr spezifische Ansprüche an die chemischen und physikalischen Parameter seines Biotops stellt.

Von ihrer Physiologie her ist P. antennarius an das Leben im Süßwasser nur schlecht angepasst, da die Garnele durch den Harn ausgeschiedene Salze nur zum Teil wieder rückresorbieren kann. Auch über die Körperoberfläche verlieren die Tiere Salze. Untersuchungen von Obermüller [1] konnten zeigen, dass besonders die Konzentration von Na+ und Ca++ Ionen im Hälterungswasser von entscheidender Bedeutung für das Überleben der Garnelen ist. Im Aquarium konnte P. antennarius in reinem Süßwasser nicht über längere Zeit am Leben gehalten werden, auch nicht in original Gardaseewasser. Eine Meersalzzugabe von 3-5 Promille verringerte die Mortalität fast vollständig. Obermüller fand für Na+ eine überlebensnotwendige Schwellkonzentration von 8,7 mM Na+/l (in 6%igem Brackwasser). In Gardaseewasser scheint die im Vergleich zum Brackwasser hohe Konzentration von Ca++ Ionen den Ionenverlust über die Körperoberfläche günstig zu beeinflussen. Hier lag die Schwellkonzentration von Na+ bei nur 0,125-0,183 mM/l. Andere Ionen (Mg++, K+, Cl-) zeigten für das Überleben der Tiere weniger Bedeutung.
Die überlebensnotwendigen Ca++ Konzentrationen lagen bei 0,09 mM Ca++/l in 4 Promille Brackwasser und im Gardaseewasser bei 0,8 mM Ca++/l.

Dass im Gardasee die Garnelen bei Na+ Konzentrationen leben, bei denen sie im Aquarium nicht am Leben erhalten werden konnten, wird durch erhöhte Permeabilität der Garnelenoberfläche für Salze unter Stressbedingungen erklärt.

Weitere limitierende Faktoren für das Überleben und die Vermehrung von P. antennarius sind die Wassertemperatur und der pH Wert. P. antennarius benötigt eine Temperatur von über 18-20 Grad Celsius über einen Zeitraum von 3-4 Monaten pro Jahr. die Art ist nur in Gewässern mit einem pH Wert >8,0 zu finden[4,5].

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die europäische Süßwassergarnele Palaemonetes antennarius im Aquarium ab besten in Brackwasser mit einem Salzgehalt zwischen 3 und 5 Promille, bei einem pH Wert >8,0 und Zimmertemperatur gehalten werden kann.

Literatur:
[1] B. Obermüller: Untersuchungen über den Ionenhaushalt der Süßwassergarnele Palaemonetes antennarius, Diplomarbeit an der Uni Innsbruck, 1978

[2] S. Müller: Salinitätsbelastung und Dynamik des Aminosäurestoffwechsels: Vergleichende Untersuchungen von einer limnischen (Palaemonetes antennarius) und einer marinen Art Panaeus japonicus), Diplomarbeit an der Uni Innsbruck, 1994

[3] R. Hofer, J. Dalla Via, B. Obermüller: Ökologische Untersuchungen an Palaemonetes antennarius im Gardasee, Arch. Hydrobiol. 90:2, 197-209, 1980

[4] G-J. Dalla Via: Effects of Salinity and Temperature in Oxygen Consumption in a freshwater Population of Palaemonetes antennarius (Crustacea, Decapoda), Comp. Biochem. Physiol Vol. 88A, 2, 299-305, 1987

[5] G-J. Dalla Via:Ecological zoography of Palaemonetes antennarius (Crustacea, Decapoda), Arch. Hydrobiol. 106, 2, 251-262, 1986

[6] G-J. Dalla Via: Ecological studies on the freshwater shrimp Palaemonetes antennarius of Laguna di Lesina (Gargano, South Italy), Arch Hydrobiol. 97,2,227-239, 1983

[7] L. Falciai, e. Palmerini: Larval Development of the Freshwater Shrimp, Palaemonetes antennarius (H. Milne Edwards, 1837)(Decapoda, Palaemonidae) reared in the Laboratory, Crustaceana 74 (11): 1315-1333, 2002

[8] L. Falciai: Occurrence of Palaemonetes varians (Leach, 1814)(Decapoda, Palaeomonidae) in a brackish Pond in Algeria, Crustaceana 74 (7): 697-701

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link R.Laski 17.04.2018 gepostet von R.Laski

    Meine leben mit Medaka zusammen und das Becken wird Techniklos betrieben.
    Noch nie habe ich irgend welche Wasserwerte ermittelt und Salz zugesetzt. Alle von mir gekauften Tier leben und zwar sehr gut, dass ganze schon fast ein Jahr. Zwei Weibchen tragen jetzt Eier mit sich herum. Ich denke das Wasserwerte zu ernst genommen werden.

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