Arbeitsgemeinschaft Wirbellose Tiere der Binnengewässer

3. Rundbrief
des
Arbeitskreises Wirbellose
in Binnengewässern
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Vorwort

Wieder sind drei Monate vorbei, und wieder ist unsere AG größer geworden.Der Boom bei den wirbellosen reißt nicht ab und wöchentlich erreichen neue Arten unsere Aquarien. Auch bei der nachzucht gibt es immer mehr erfolge zu verzeichnen.

Auch innerhalb der AG wird die Arbeit langsam besser(und Professioneler)

wie die Veröffentlichung unserer Termine in verschiedenen Aquarienzeitschriften zeigt.Desweiteren möchte ich auch schon mal auf die "Animal 99" hinweisen, auf der wir auch wieder vertreten sein werden.

Wer also Tiere ausstellen möchte oder am Infostand mitarbeiten möchte

(ich hoffe auf sehr viele!!),kann sich bei mir schon mal melden denn die Planungen laufen schon auf vollen Touren.

Also viel Spaß beim lesen und bis bald

Wolfgang Ilg

Muscheln Teil 2

(Fortsetzung von Heft 2/99)

Fortpflanzung und Brutpflege:

Muscheln haben zwar einfache Geschlechtsorgane, doch die Geschlechtsentwiscklung, Anzahl der Eier und die Larvenentwicklung schwanken beträchtlich. Die Fluß- und Wandermuscheln sind getrenntgeschlechtlich, die Familie der Kegelmuscheln jedoch bringen Zwitter hervor, betreiben Brutpflege und sind lebendgebärend. Das Atemwasser ist von größter Wichtigkeit, denn damit wird das Sperma abgegeben, aufgenommen und sowar die Laven transportiert.

Die Eizahlen gehen beträchtlich auseinander:

Flußperlmuschel normale Strömung: 200.000

Flußperlmuschel starke Strömung: 1.000.000

Teichmuschel: 400.000

Der Grund dürfte in der Strömung und der räumlichen Trennung der Geschlechter liegen. Nur so kann das Überleben der Art gesichert werden.

Das Samen der männlichen Tiere wird durch die Atemöffnung der Weibchen aufgenommen und die Eier befruchtet. Die befruchteten Eier entwickeln sich in den Bruträumen zwischen den Kiemen zu Larven.

Die Wandermuscheln geben sowohl Eier als auch Samen ins Wasser ab, da in ihren Kolonien die Tiere dicht an dicht sitzen. Die Ei- und Larvenentwicklung findet im freien Wasser statt.

Bei den Kegelmuscheln ist die Vermehrung aufgrund ihrer Zwitterdrüsen gesichert. Sie sind in der Lage Eier und Samen nacheinander zu produzeiren. Die Muscheln geben den Samen ins Wasser ab, dieser wird jedoch sofort wieder durch die Atemöffnung eingestrudelt und die Befruchtung ist gesichert. Zur Arterhaltung genügen ihnen schon 12 befruchtete Eier. Die Eier entwickeln sich in den Kiemen der Muscheln zu Jungtieren. Nach einem Jahr werden die geschlechtsreifen kleinen Kegelmuscheln ausgestoßen. Die Arterhaltung ist gesichert.

Larvenentwicklung:

Die ausgestoßenen Larven (Glochidien) benötigen für die Weiterentwicklung einen Wirt. Eien Ausnahme sind die Wandermuscheln. Diese schwimmen noch ca. 2 Wochen mit dem Plankton umher und setzen sich danch mit ihren Sekretfäden am Grund fest. Dort verbleiben sie.

Die Larven der Maler- und Teichmuscheln verbleiben nach dem Ausstrudeln am Grund und heften sich mit ihren bezahnten Haken des Schalenrandes an die Flossen von vorbeischwimmenden Fischen. Dort verbleiben sie als Parasiten bis zur Jungmuschel. Nach beendeter Entwicklung platzt die Haut auf und der Fisch stößt die kleine Muschel ab.

Die Larven der Flußperlmuschel leben in den Kiemen der Bachseiblinge und Forellen. Die Larven werden auf den Kieben vom Schleim umschlossen und sie ernähren sich vom Blut ihres Wirtes.

Literatur:

Muscheln, Schnecken, Krebse von Karl-Heinz Zeitler

Leben in Bach und Teich von Dr. Heiko Bellmann

Alexander Losert

Ringelhand- Garnele

Art

Der Artname dieser wunderschönen Garnelenart ist leider nicht bekannt. Der Name Ringelhand-Garnele ist nicht wissenschaftlich dokumentiert, sondern wurde von Uwe Werner in seinem Buch 'Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium' verwendet, um den Tieren, die bisher nicht wissenschaftlich beschrieben sind, überhaupt einen Namen zu geben. Den Namen Ringelhand haben sie, da Jungtiere und Weibchen rot geringelte Greifarme haben. Meine vier Alttiere stammen aus der Zucht von Uwe Werner und wurden von Gerd Voss in Hannover aufgezogen, so daß ich sie schon fast ausgewachsen bekommen habe. Die Garnelen gehören zur Gattung Macrobrachium, den Großarmgarnelen, die weltweit als Flußbewohner vorkommen. Sie werden Großarmgarnelen genannt, da insbesondere die Männchen ein sehr langes Armpaar haben können. Es gibt Arten, die bis zu 30 cm groß werden können.Uwe Werner schreibt, daß er Garnelen in Mittelamerika bei Karbonat- und Gesamthärten von 6° bis 18° und Temperaturen von 23°Cbis34°C gefangen hat. Daraus läßt sich schließen, daß diese Arten recht anpassungsfähig sind. Die Heimat der Ringelhand-Garnele ist nicht bekannt ist.

Beschreibung

Die Ringelhand-Garnele erreicht eine Körperlänge von bis zu 7 cm. Die Greifarme der Männchen können genauso lang werden. Alttiere sind dunkel gemustert. Die Weibchen haben rot geringelte Greifarme. Die Greifarme der Männchen sind fast komplett rot. Die Jungtiere sind nicht so dunkel und kräftig gefärbt, haben aber bereits die Ringelzeichnung der Greifarme des Weibchens. Um zu wachsen wird wie bei allen Krebsen und Garnelen von Zeit zu Zeit der alte Panzer abgestreift. Dies geschieht in den ersten Lebenswochen recht häufig und später nur alle paar Wochen. Den Panzer sollte man im Becken lassen, da er von den Garnelen aufgefressen wird. Die ersten Tage nach dem Panzerwechsel ist die Garnele sehr empfindlich, da der neue Panzer erst aushärten muß. Während dieser Zeit versteckt sich die Garnele. Bei Rangeleien mit Artgenossen kann es dann schon mal vorkommen, daß eine eine Schere oder ein Bein verliert. Aber Garnelen haben den Vorteil, daß Arme und Beine mit jeder Häutung wieder bis zur vollen Größe nachwachsen.

Haltung

Die Haltung dieser Tiere ist unproblematisch. Der pH-Wert sollte um 7 liegen und die Temperatur zwischen 20°C und 25°C betragen. Sie lassen sich in weichem bis hartem Wasser halten. Wichtig ist ein möglichst hoher Sauerstoffgehalt des Wassers, da die Tiere eigentlich Flußbewohner sind.

Diese Garnelenart möchte ich als friedlich bezeichnen. Es handelt sich bei den Garnelen nicht um Jäger, aber wenn sie bei der teilweisen nächtlichen Futtersuche über einen Fisch stolpern und dieser nicht flieht, sondern sich greifen läßt, so wird er auch gefressen! Dies gilt insbesondere für Salmler, die nachts in bodennähe schlafen. In meinem 60er Becken halte ich zur Zeit ein Garnelen-Männchen und zwei Weibchen mit ihren Jungtieren. Außerdem hat sich das auch im Becken lebende Antennenwels-Pärchen leider vermehrt. Den kleinen Antennenwelsen wird nicht nachgestellt, allerdings ist nicht auszuschließen, daß auch schon mal ein kleiner Wels gegriffen und gefressen wird. Die Jungfischanzahl wurde allerdings nochnicht merklich reduziert. Untereinander sind die Garnelen sehr verträglich. Nur wenn sich ein Tier frisch gehäutet und keinen sicheren Versteckplatz gefunden hat, kann es sein, daß ihr ein Artgenosse mal ein oder mehrere Arme/Beine abschneidet. Diese wachsen bei den nächsten Häutungen dann wieder nach.

Einrichtung des Aquariums

Das Aquarium sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten, da sich die Alttiere gern im Verborgenen aufhalten und nur zum Füttern hervor kommen. Jungtiere sind nicht so lichtscheu und halten sich gern an höherer Position auf. Das Becken kann und sollte gut bepflanzt werden. Die Garnelen fressen keine gesunden Pflanzen. Mehr als vier erwachsene Tiere sollten in einem 60er Becken nicht gehalten werden. Auch hier gilt, je größer das Becken umso besser.

Zucht

Die Zucht der Ringelhand-Garnelen ist rech einfach, da die Weibchen recht große Eier (1,5 mm) produzieren aus denen dann fertige Garnelen schlüpfen. Die Tragzeit der Eier, die das Weibchen unter ihrem Hinterleib hält, dauert bis zu vier Wochen und ist stark von der Wassertemperatur abhängig. Die Junggarnelen werden vom Weibchen in einem Versteck entlassen, halten sich noch wenige Tage dort auf und verlassen dann den Schutz des Weibchens. Die Garnelen sind nun ca. 5 mm groß und durchsichtige Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie können einfach mit dem oben genannten Futter aufgezogen werden. Sogar rote Mückenlarven, die größer sind als die Junggarnelen, werden schon gefressen. Die Alttiere stellen den Junggarnelen nicht nach. Allerdings sind sie da leichte Beute für Fische. Die Jungtiere wachsen unterschiedlich schnell. Schon mit drei Monaten können sie geschlechtsreif sein. Dafür ist allerdings ein großes Becken, regelmäßiger Wasserwechsel und gute Fütterung notwendig. Meine größten Jungtiere vom November 1998 waren nach 4 Monaten bis 4 cm groß.

Futter

Natürlich kann man die Garnelen auch mit Flockenfutter ernähren, sollte man aber nicht. In der Natur haben Garnelen die Aufgabe, tote Fische zu entsorgen. Daher sollten wir ihnen auch entsprechendes tierisches Futter anbieten. Dies können tote Fische, Frostfutter und natürlich auch Lebendfütter wie Wasserflöhe sein. Vegetarische Kost wie z.B. gefrorene Erbsen werden auch gern genommen.

Literatur

Uwe Werner (1998), Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium, Aqualog Spezial, A.C.S. GmbH, Mörfelden-Walldorf, ISBN 3-931702-52-9

© 06.03.1999, Kai Alexander Quante

Kai A. Quante hat zur Ringelhand-Garnele eine eigene Webseite mit Bildern.


Anmerkungen zur Ringelhand Garnele

Es scheint eine farblich sehr ähnliche Macrobrachium-Art zu geben, die bis auf das Rot in den Scheren der weiblichen Tiere identisch gezeichnet ist. Das Verhalten sowie die Haltung sind identisch mit der von Kai A. Quante beschriebenen Art.

Bei der Aufzucht sollte man darauf achten, daß die Jungtiere ausreichen Verstecke haben, da sie sich sonst bei der Häutung gegenseitig dezimieren. Ausserdem werden die nachfolgenden Generationen von den älteren gefressen. Man sollte also trächtige Weibchen separieren und jede Generation einzeln aufziehen.

Zur Nahrung möchte ich noch anmerken, daß diese Garnelen auch zartere Pflanzen, wie Cabomba und Hygrophilla angeknabbert haben.