Ringelhand-Garnele

Macrobrachium assamensis (Tiwari, 1955)

Ringelhand-Garnelen Paar

Art

Der wissenschaftliche Name dieser wunderschönen Garnelenart ist leider nicht bekannt. Der Name Ringelhand-Garnele ist nicht wissenschaftlich dokumentiert, sondern wurde von Uwe Werner in seinem Buch Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium verwendet, um den Tieren einen Namen zu geben. Den Namen Ringelhand haben sie, da Jungtiere und Weibchen rot geringelte Greifarme haben. Meine vier Ursprungstiere waren fast ausgewachsen, als ich sie Mitte 1998 bekommen habe.

Die Garnelen gehören zur Gattung Macrobrachium, den Großarmgarnelen, die weltweit als Flußbewohner vorkommen. Sie werden Großarmgarnelen genannt, da insbesondere die Männchen ein sehr langes Armpaar haben können. Es gibt Arten, die bis zu 30 cm groß werden. Garnelen kommen in recht unterschiedlichen Gewässern vor. In Mittelamerika wurden Garnelen bei Karbonat- und Gesamthärten von 6° bis 18° und Temperaturen von 23°C bis 34°C gefangen. Daraus läßt sich schließen, daß diese Arten recht anpassungsfähig sind. Die Heimat der Ringelhand-Garnele ist nicht bekannt ist.

Ringelhand-Garnelen Weibchen mit Eiern

Beschreibung

Die Ringelhand-Garnele erreicht eine Körperlänge von bis zu 7 cm. Die Greifarme der Männchen können genauso lang werden. Alttiere sind dunkel gemustert. Die Weibchen haben rot geringelte Greifarme. Die Greifarme der Männchen sind fast komplett dunkel rot. Die Jungtiere sind nicht so dunkel und kräftig gefärbt, haben aber bereits die Ringelzeichnung der Greifarme des Weibchens.

Um zu wachsen wird wie bei allen Krebsen und Garnelen von Zeit zu Zeit der alte Panzer abgestreift. Dies geschieht in den ersten Lebenswochen recht häufig und später nur alle paar Wochen. Den Panzer sollte man im Becken lassen, da er von den Garnelen aufgefressen wird. Die ersten Tage nach dem Panzerwechsel ist die Garnele sehr empfindlich, da der neue Panzer erst aushärten muss. Während dieser Zeit versteckt sich die Garnele. Bei Rangeleien mit Artgenossen kann es dann schon mal vorkommen, dass eine eine Schere oder ein Bein verliert. Aber Garnelen haben den Vorteil, daß Arme und Beine mit jeder Häutung wieder bis zur vollen Größe nachwachsen.

Ringelhand-Garnelen Männchen mit Jungtier

Haltung

Die Haltung dieser Tiere ist unproblematisch. Der pH-Wert sollte um 7 liegen und die Temperatur zwischen 20°C und 25°C betragen. Sie lassen sich in weichem bis hartem Wasser halten. Wichtig ist ein möglichst hoher Sauerstoffgehalt des Wassers, da die Tiere eigentlich Flussbewohner sind.


Diese Garnelenart möchte ich als friedlich bezeichnen. Es handelt sich bei diesen Garnelen nicht um Jäger, aber wenn sie bei der teilweisen nächtlichen Futtersuche über einen Fisch stolpern und dieser nicht flieht, sondern sich greifen lässt, so wird er auch gefressen! Dies gilt z.B. für einige Salmlerarten, die nachts in bodennähe oder auf dem Boden schlafen. In meinem 60er Becken halte ich zur Zeit ein Garnelen-Männchen und drei Weibchen mit ihren Jungtieren. Außerdem hat sich das auch im Becken lebende Antennenwels-Pärchen vermehrt. Den kleinen Antennenwelsen wird nicht nachgestellt, allerdings ist nicht auszuschließen, dass auch schon mal ein kleiner Wels gegriffen und gefressen wird. Die Jungfischanzahl wurde allerdings noch nicht merklich reduziert. Untereinander sind die Garnelen sehr verträglich. Normalerweise kommt es nur zu kleinen Rangeleien um Futter oder Versteckplätze, bei denen sich die Garnelen nicht verletzen. Nur wenn sich ein Tier frisch gehäutet und keinen sicheren Versteckplatz gefunden hat, kann es sein, daß ihr ein Artgenosse mal ein oder mehrere Arme/Beine abschneidet. Diese wachsen bei den nächsten Häutungen dann wieder nach.

Haltungs- und Zuchtbecken

Einrichtung des Aquariums

Das Aquarium sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten, da sich die Alttiere gern im Verborgenen aufhalten und nur zum Fressen hervor kommen. Jungtiere sind nicht so lichtscheu und halten sich gern an höherer Position auf. Das Becken kann und sollte gut bepflanzt werden. Die Garnelen fressen normalerweise keine gesunden Pflanzen. Ich habe allerdings schon Tiere beim Anknabbern von Echinodorus bleheri beobachtet, wobei der Pflanze kaum Schaden zugefügt wurde. Auch gibt es Berichte, dass Ringelhand-Garnelen an feinfiedrigen Pflanzen gefressen haben. Dies hielt sich aber in engen Grenzen. Mehr als vier erwachsene Tiere sollten in einem 60er Becken nicht gehalten werden. Insbesondere die Männchen sind untereinander unverträglich und ein männliches Tier wird das Becken immer dominieren. Auch hier gilt, je größer das Becken umso besser.


Zucht

Ringelhand-Garnelen Weibchen mit Eiern

Die Zucht der Ringelhand-Garnelen ist recht einfach, da die Weibchen recht große Eier (1,5 mm) produzieren aus denen dann fertige Garnelen schlüpfen. Die Tragzeit der Eier, die das Weibchen unter ihrem Hinterleib hält, dauert bis zu vier Wochen und ist stark von der Wassertemperatur abhängig. Die Junggarnelen werden vom Weibchen in einem Versteck entlassen, halten sich noch wenige Tage dort auf und verlassen dann den Schutz des Weibchens. Dieses Verhalten ist eigentlich nur von Krebsen bekannt, konnte ich aber auch bei meinen Garnelen beobachten. Die Garnelen sind nach dem Freilassen ca. 5 mm groß und durchsichtige Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie können einfach mit dem unten genannten Futter aufgezogen werden. Sogar rote Mückenlarven, die größer sind als die Junggarnelen, werden schon gefressen. Die Alttiere stellen den Junggarnelen nicht nach. Allerdings sind die kleinen Garnelen leichte Beute für Fische, da sie sich nicht verstecken, sondern frei im Aquarium bewegen. Die Jungtiere wachsen unterschiedlich schnell. Schon mit vier Monaten können sie geschlechtsreif sein. Dafür ist allerdings ein großes Becken, regelmäßiger Wasserwechsel und gute Fütterung notwendig. Meine größten Jungtiere vom November 1998 waren nach 4 Monaten bis 4 cm groß.


Futter

Natürlich kann man die Garnelen auch mit Flockenfutter ernähren, sollte man aber nicht. In der Natur haben Garnelen die Aufgabe, tote Fische zu entsorgen. Daher sollten wir ihnen auch entsprechendes tierisches Futter anbieten. Dies können tote Fische, Frostfutter und natürlich auch Lebendfütter wie Wasserflöhe sein. Vegetarische Kost wie z.B. gefrorene Erbsen und Zucchini werden auch sehr gern genommen.

Als Lieblingsspeise haben sich bei mir Posthornschnecken herausgestellt. Die Tiere werden mit den Scheren aus ihrem Gehäuse gezogen. Auch Schneckenlaich wird gern verspeist, so dass in einem Ringelhand-Garnelen Aquarium Posthornschnecken keine Chance haben und der gesamte Bestand mit der Zeit vertilgt wird. Turmdeckelschnecken werden zerdrückt auch sehr gern gefressen, allerdings schaffen es die Garnelen kaum, die Tiere aus ihrem Gehäuse zu ziehen, wenn die Schnecken den Deckel zu gemacht haben.


Literatur


Links

© KAQ, 08.06.2002