Planarien

ungeliebte Plagegeister

Scheibenwürmer, Strudelwürmer, Plattwürmer, Turbellarien - das sind alles Namen für die Planarien, die mit etwa 200 Arten im Süßwasser vorkommen. Im Aquarium kommt die im Bild gezeigte Art häufig vor. Sie ist meist weißlich gefärbt, hat einen dreieckigen Kopf und ist bis ca. 15 mm groß. Geradezu unglaublich ist das Regenerationsvermögen der Planarien. Normalerweise vermehren sie sich durch Eier, die resistent gegenüber Frost, Trockenheit und höheren Temperaturen sind. Einschleppen kann man sich Planarien mit Pflanzen, Tieren und Wasser aus anderen Aquarien sowie über Frostfutter, in dem Eier enthalten sein können.

Obwohl Planarien mit den Bandwürmern eng verwandt sind, haben sie wenig mit ihnen zu tun. Normalerweise sind Planarien harmlos, obwohl sie eindeutig zu den "Fleischfressern" gehören. Fleisch heißt dabei Fischeier, kleine Fischbrut, aber auch frisch gehäutete Garnelen und Krebse. Garnelen und Krebsbestände können sie bei starker Vermehrung der Planarien auch gänzlich ausrotten, weshalb diese Biester mir als Krebs- und Garnelen-Züchter schon einiges Kopfzerbrechen bereitet haben.

Ihr Körper sondert beim Kriechen Schleim ab, so dass die Kriechsohle auf einem weichen Lager liegt, wie man das auch von Schnecken kennt. Einzellige Drüsen des Hautepithels bilden feste, stabförmige Körperchen, die Rhabditen, die bei Berührung mit Wasser zu Schleim aufquellen und so zur Verteidigung, zum Beutefang oder zur Bildung von Kokons dienen, die dem Tier bei Trockenheit Schutz bieten. Diesen Schleim kann man auch fühlen, wenn man die Tiere mit dem Finger von der Aquarienscheibe streicht.

Zur Massenvermehrung kommt es, wenn die Tiere reichlich Nahrung finden. Das ist der Fall, wenn viel Frostfutter oder Artemia gefüttert wird oder Tiere im Aquarium verenden, die nicht entfernt werden und somit Futter für die Planarien darstellen.

Eigentlich sind sie damit nützlich, da sie tote Lebewesen wieder in lebende Biomasse verwandeln.

Die Tiere können außerdem über lange Zeit hungern, weshalb sie sich, obwohl nie bemerkt, auf einmal explosionsartig vermehren.

Man mag sie zerschneiden, wie und wo man will, immer wächst das herausgeschnittene Restchen, und wenn es auch nur ein Tausendstel des ganzen Tieres enthält, zu einem ganzen kleinen Strudelwurm aus.

Bekämpfung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Tierchen zu bekämpfen. Dabei ist zu beachten, ob man alle Tiere restlos entfernen oder sie nur merklich reduzieren will. Außerdem ist beim Einsatz der chemischen Keule zu überlegen, wer außerdem noch getötet wird.

1. Absammeln

Die einfachste Möglichkeit ist, die an der Scheibe kriechenden Tiere mit dem Finger abzustreifen. Die schleimige Masse kann man dann am besten in ein Tuch wischen.

2. Feindfische

Durch den Schleim, den die Planarien absondern, sind sie für die meisten Fische ungenießbar und werden gemieden. Jedoch fressen Makropoden und auch Zwergfadenfische Planarien. Da allerdings Planarien das sind, was sie ungern fressen, dürfen die, die als Planarienfeinde eingesetzt werden, nicht zusätzlich gefüttert werden. Somit müssen aus einem mit Planarien befallenen Becken alle anderen Fische entfernt werden, um die Planarienfresser auch auf Planariendiät zu setzen. Ich habe es bei mir mit Makropoden probiert, Planarien zu bekämpfen. Der Erfolg war, dass sich die Makropoden über junge Garnelen her gemacht und vermehrt haben, und die Planarien, sich sehr gut versteckt, dem Tode entzogen haben. Das Fazit war somit nicht gerade erfolgreich, denn nach dem Entfernen der Makropoden hatte ich noch genauso viele Planarien, dafür aber weniger Garnelen.

3. Hitze

Da Planarien kochendes Wasser nicht vertragen, können die Tiere auch mit heißem Wasser bekämpft werden, d.h. Kies, Filter und Einrichtungsgegenstände sind abzukochen oder auszutauschen. Ins Aquarium ist kochendes Wasser zu füllen bzw. ein Tauchsieder zu verwenden, um das Wasser langsam und gleichmäßig zu erhitzen, damit das Glas nicht springt. Für Pflanzen und Tiere muss man sich allerdings etwas anderes einfallen lassen, um die daran sitzenden Planarien zu entfernen. Übrigens sind Planarien und insbesondere die Eier recht wärmebeständig, d.h. das Wasser muss wirklich kochend heiß sein.

4. Mineralwasser

Interessanterweise vertragen Planarien kein saures Milieu unter pH 4, d.h. man kann die Planarien auch von Pflanzen und Wurzeln entfernen, in dem man diese ca. 30 Minuten in stark kohlensäurehaltiges Mineralwasser tut. Den Pflanzen macht das über kurze Zeit nichts, aber die Planarien lösen sich darin auf. "Kleiner" Wehrmutstropfen: Planarieneier sind resistent dagegen.

5. Chemische Keule

"Medikamente" gegen Scheibenwürmer sollte man normalerweise nicht anwenden. Sie enthalten meist als Hauptwirkstoff Kupfer in irgend einer Form. Kupfer kann aber andere Wirbeltiere wie Harnischwelse oder Wirbellose schädigen bzw. töten. Auch Bakterien werden empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings gibt es in der Tiermedizin das Medikament Flubenol mit dem Wirkstoff Flubendazol. Dieses Mittel ist verschreibungspflichtig und man erhält es über den Tierarzt. Es gibt das Mittel als Paste und als Pulver, wobei insbesondere die Dosierung beim Pulver vom Lagerungsalter abhängt, weil die Wirksamkeit unter Luft und somit Feuchtigkeitseinfluss merklich nachlässt. Flubenol ist bei richtiger Dosierung ungefährlich für Fische und Garnelen, aber bringt neben den Planarien auch meist die Schnecken um. Bei 5 %-igen Pulver wird teils eine Dosierung von 0,2 Gramm auf 100 Liter Aquarienwasser empfohlen. Ich übernehme hier keine Verantwortung für die Mengenangabe und Verwendung! Durch Flubenol werden nur die lebenden Planarien über mehrere Tage getötet. Eiern macht das Mittel nichts, weshalb nach 2 bis 3 Wochen neu behandelt werden muss, wenn die neuen Planarien geschlüpft sind. Auch werden Planarien, die sich gut versteckt haben, meist durch das Mittel nicht erreicht. Es wird immer wieder behauptet, dass bei der Bekämpfung das Aquarienwasser nicht gewechselt werden soll, damit der Wirkstoff nicht verloren geht. Es ist allerdings bei der Bekämpfung mit der chemischen Keule zu beachten, dass damit in sehr kurzer Zeit je nach Planarienmenge eine große Menge an totem tierischen Stoff ins Wasser gelangt, und das Wasser auch durch die giftigen Absonderungen der Planarien sehr stark belastet wird. Daher muss vor dem Einsatz von Chemie der Planarienbestand durch andere Aktionen schon auf ein Minimum reduziert worden sein, sonst sterben nicht nur die Planarien durch das Flubenol, sondern auch alle anderen Aquarienbewohner durch die toten Planarien. Da lieber täglich ¼ Wasser wechseln und Flubenol nachdosieren.

6. Planarienköder

Planarien fressen, wie beschrieben, sehr gern Fleisch. Somit ist es recht einfach, die Tiere zu ködern. Nehmen Sie ein Filmdöschen, etwas Stoffgardine (Lochdurchmesser ca. 1 mm), ein Gummi und etwas Fleisch, z.B. vom Rind oder auch Muschel. Das Fleisch tun Sie in die Filmdose, mit Gardine und Gummiband verschließen und ins Wasser legen. Es empfiehlt sich, dies bei ausgeschalteter Aquarienbeleuchtung zu machen, da die Planarien dann aktiver sind. Nach 30 bis 60 Minuten kann man das Döschen entfernen, Planarien vom Fleisch waschen und den Köder neu auslegen. Den Köder länger als eine Stunde im Wasser zu lassen, kann die gegenteilige Wirkung haben als gewünscht. Vollgefressene Planarien krabbeln nämlich dann wieder aus dem Döschen und vermehren sich dann weiter fröhlich.

7. Planarienfalle

Die Planarienfalle ist das gleiche Prinzip, wie die Aktion mit dem Filmdöschen, verhindert aber das Flüchten der gefangenen Tiere. Das Prinzip ist lange bekannt und wird hier einfach umgesetzt: die Reuse. Auf den Bildern ist zu erkennen, woraus man sich eine solche Falle einfach selbst bastelt, und welche Wirkung sie hat. Man nimmt eine verschraubbare Plastikdose, einen trichterförmigen Reuseneingang, der am Ende ca. 1 mm Durchmesser hat (Ich habe einen Plastikluftsprudler genommen). Bei Bedarf kann man, wie auf dem Foto zu sehen ist, auch noch einen Strohhalm als Reuseneingang nehmen. Dies hat sich bei mir aber nicht bewährt. In den Deckel der Dose bohrt man ein Loch und klebt den Trichter mit der großen Öffnung darauf. Dann bestückt man die Dose mit einem Köder und schraubt sie unter Wasser zu, damit darin keine Luft bleibt. Die Dose wird Kopf über ins Aquarium gestellt und kann so einen Tag im Wasser verbleiben. Danach sollte die Falle entfernt, und auch der Köder getauscht werden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es nicht den Königsweg zur Bekämpfung von Planarien gibt. Man muss genau abwägen, welche Methode man wählt oder welche man kombiniert.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag etwas Licht ins Planariendunkel bringen und wünsche Ihnen, dass Sie vor dieser Plage verschont bleiben.

Kai A. Quante, www.wirbellose.de