|
Die Serrata Gruppe
Werner Klotz
|
Garnelen der Gattung Caridina, die eine dorsale Bezahnung des Carpax, einen über das distale Ende des ersten Antennenbasissegmentes reichenden Styloceriten, einen Appendix interna am Endopod des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen und bei den Weibchen große Eier und einen verkürzten Entwicklungstyp der Larven aufweisen, werden zu einer gemeinsamen Artengruppe, Serrata-Gruppe genannt, zusammengefasst. Da die Originalbeschreibungen von Caridina serrata durch Stimpson im Jahre 1860 sehr ungenau und damit die Abgrenzung zu nahestehenden Arten fraglich war, wurde die Artengruppe 1999 von Cai revidiert und im Zuge der Revision fünf neue Arten beschrieben (1,3,6).
Die Bienengarnele
Die Bienengarnele gehört zu den am bekanntesten uns schon seit langer Zeit in Aquarien gehaltenen Zwerggarnelen. Aus dieser Sicht ist es höchst bemerkenswert, dass bisher wenig über die systematische Stellung dieser hübschen Garnele bekannt ist.
An vielen Stellen in der Aquaristikliteratur und auf diversen Internetseiten findet man die Bezeichnung Neocaridina serrata für die Bienengarnele. Andreas Karge hat in seinen beiden höchst bemerkenswerten Publikationen in der Zeitschrift "Das Aquarium" (4,5) bereits im Jahre 2002 darauf hingewiesen, dass diese Artbezeichnung nicht den Tatsachen entsprechen kann.
In den letzten beiden Jahren konnte ich Bienengarnelen aus verschiedenen Zuchten und in verschiedenen Farbvarianten untersuchen und möchte nun einen weitern Versuch der Zuordnung zu bekannten Arten machen.
1) die "wildfarbene" Bienengarnele
Die "Urform" der Bienengarnele bezaubert durch ihre dreifarbigen Querbinden. Seit Jahrzehnten in Aquarien auf der ganzen Welt gehalten, hat diese Art nichts an ihrer Beliebtheit eingebüßt.
Mikroskopische Beschreibung:
Rostrum gerade oder leicht nach unten gebogen, bis zur Mitte des 2. Antennenbasissegmentes reichend, 4,8-6,1 (MW 5,3) mal so lang wie hoch, 0,3-0,5 (MW 0,4) mal so lang wie der Carpax, Spitze gerade. Rostrumformel 4-7(4) + 6-14(8) / 1-3(2)
Scaphocerit 2,5-3,0 (MW 2,8) mal so lang wie breit. Stylocerit bis 30-66% (MW50%) des 2. Antennenbasissegmentes reichend.
Die Basis des 2. Antennenpaares entspricht 0,5-0,7 (MW 0,6) mal der Länge des Carpax.
Orbitalwinkel in deutlichen Zahn übergehend. Pterygostomialwinkel annähernd rechtwinklig gerundet und leicht nach vorne gerichtet.
Die Scheren des 1. Schreitpeinpaares sind 1,8-2,3 (MW 2,1) mal so lang wie breit, der bewegliche Finger (dactylus) 0,6-1,2 (MW 0,88) mal so lang wie die "Handfläche" (palm). Beide Finger tragen an den distalen Enden die familientypischen "Pinsel".
Der Carpus ist 1,3-1,7 (MW 1,5) mal so lang wie breit, 0,6-0,9 (MW 0,7) mal so lang wie die Schere, 0,7-1,2 (MW0,95) mal so lang wie der Merus und distal stark eingekerbt. Der Merus ist 1,95-2,6 (MW 2,4) mal so lang wie breit und 0,7-0,9 (MW 0,8) mal so lang wie die Schere.

Die Scheren des 2. Schreitpeinpaares sind 2,4-2,9 (MW2,7) mal so lang wie breit, der bewegliche Finger (dactylus) 1,3-1,6 (MW 1,5) mal so lang wie die "Handfläche" (palm). Beide Finger tragen an den distalen Enden die familientypischen "Pinsel".
Der Carpus ist 4,4-5,8 (MW 4,8) mal so lang wie breit, 1,1-1,4 (MW 1,2) mal so lang wie die Schere und 0,9-1,1 (MW 1,0) mal so lang wie der Merus.
Der Merus ist 4,9-5,7 (MW 5,1) mal so lang wie breit und 1,1-1,3 (MW 1,2) mal so lang wie die Schere.
Das dritte Schreitbeinpaar trägt am distalen Ende einen 2,9-4,0 (MW 3,3) mal so langen wie breiten Dactylus, der am Ende eine starke, an der Hinterkante 4-5 kleiner werdende Krallen trägt. Der Propodus ist 8,4-10,0 (MW 9,1) mal so lang wie breit, 3,6-4,9 (MW 4,1) mal so lang wie der Dactylus und trägt 11-19 (MW 15) Dornenpaare. Der Carpus ist 4,3-5,4 (MW 4,6) mal so lang wie breit, 0,6-0,8 (MW 0,7) mal so lang wie der Propodus und trägt einen starken Dorn. Der Merus ist 5,1-6,4 (MW 5,5) mal so lang wie breit, 1,2-1,6 (MW 1,4) mal so lang wie der Propodus und trägt 3-5 (meist 3) starke Dornen.
Das vierte Schreitbeinpaar ähnelt dem dritten.
Das fünfte Schreitbeinpaar trägt am distalen Ende einen 3,7-4,5 (MW 3,9) mal so langen wie breiten Dactylus, der am Ende eine starke Kralle, an der Hinterkante 33-36 (meist 33) Dornen in kammförmiger Anordnung. Der Propodus ist 11,5-13,0 (MW 12,4) mal so lang wie breit, 4,0-5,0 (MW 4,5) mal so lang wie der Dactylus und trägt 15-19 (MW 15) Dornenpaare. Der Carpus ist 4,0-4,8 (MW 4,5) mal so lang wie breit, 0,5 mal so lang wie der Propodus und trägt einen starken Dorn. Der Merus ist 5,0-6,4 (MW 5,6) mal so lang wie breit, 0,8 mal so lang wie der Propodus und trägt 2-4 (meist 3) starke Dornen.
Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen ist etwa rechteckig, 2,3-2,9 (MW 2,7) mal so lang wie breit und reicht bis 0,4-0,6 (MW0,5) mal der Länge des Exopods. Das Endopod ist an der Innenkante deutlich konkav, distal gerundet und an der Außenkante gerade bis leicht konkav. Distal trägt es einen kleinen Appendix interna, der das distale Ende des Endopods meist knapp nicht erreicht. Der äußere Bereich des Endopods ist diagonal nach hinten gefaltet. Die Innenkante trägt wenige kurze Dornen, Der äußere und distale Rand trägt längere Dornen, die längsten im distalen Bereich der Außenkante.
Das 2. Schwimmbeinpaar der Männchen trägt einen Appendix masculina der bis 40-57% (MW 50%) der Länge des Endopods reicht.
Das 5. Abdominalsegment ist 0,6-1,1 (MW 0,8) mal so lang wie hoch und 0,3-0,5 (MW 0,3) mal so lang wie der Carpax. Das 6. Segment ist 1,5-1,7 (MW 1,6) mal so lang wie breit und 0,4-0,5 mal so lang wie der Carpax.
Der Telson ist 3,5-5,8 (MW 4,2) mal so lang wie hoch, 0,5-0,6 mal so lang wie der Carpax und trägt dorsal 4-5 Dornenpaare und ein Paar dorsolateral. Der Hinterrand des Telson ist konvex, trägt einen deutlichen Mittelzahn und distal 3-4 Paare langer Dornen. Das äußerste Paar ist am längsten, das vorletzte kürzer, die Inneren Paare mittellang. Das innerste Paar ist oft rudimentär.
Die Falte der Uropoden (diaresis) trägt 20-23 bewegliche Dornen.
2) Die Crystal Red
Diese Bienengarnele wurde angeblich vom Japaner Hisayasu Suzuki im 1993 aus einer handvoll roten Tieren, die in einer großen Zucht von "wildfarbenen" Tieren auftauchten herausgezüchtet.
Die Crystal Red gleicht in den mikroskopischen Merkmalen der "normalfarbigen" Bienengarnele weshalb ich nur kurz die wichtigsten Merkmale und jene, die Abweichungen zur Bienengarnele zeigen anführen möchte:
Rostrumformel 3-6 (4) + 10-13 (10) / 1-3 (2), Länge der Antennenbasis 0,44-0,63 (MW 0,55) mal der Carpaxlänge, Länge des Styloceriten: bis 20-55% (MW 40%) der Länge des 2. Antennenbasissegmentes reichend. Endopod des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen 2,7-3,2 (MW 3,0) mal so lang wie breit, Appendix masculina bis 60% des Endopods reichend. Die Falte der Uropoden trägt 17-21 (meist 18) Dornen.
Die Red Crystal gleicht in allen wichtigen Bestimmungsmerkmalen der normalen Bienengarnele, und stellt demnach eine Farbform der gleichen Art dar.
3) Die Colorbiene "braun"
Auch die Colorbiene "braun" entspricht in den wichtigsten Merkmalen der Bienengarnele und ist als eine Farbform anzusehen.
Die Rostrumformel der untersuchten Tiere betrug 3-6 (5) + 8-14 (10) / 2-3 (2)
Der Stylocerit ist relativ kurz und reichte bis maximal 40% der Länge des 2. Antennenbasissegmentes, meist nur bis Œ der Länge dieses Segmentes.
Der Scaphocerit ist 2,9-3,3 (MW 3,1) mal so lang wie breit und damit geringfügig schlanker als bei normalfarbigen Bienengarnelen.
Der bewegliche Finger des ersten Scherenpaares war bei männlichen Tieren 1,03-1,33 8 (MW 1,16) mal so lang wie die "Handfläche", bei den Weibchen betrug das Verhältnis 0,81-0,86 (MW 0,83).

Alle übrigen Schreitbeinglieder entsprachen denen der "normalfarbigen" Tiere.
Das Endopod des ersten Schreitbeinpaares der Männchen ist 2,9-3,2 (MW 3,0) mal so lang wie breit und reicht bis 0,6 mal der Länge des Exopods.
Die Eigröße eines trächtigen Weibchens betrug 1,27*0,78 mm.
Die Variabilität der verschiedenen Farbformen:
Nicht überraschend, aber entwicklungsbiologisch interessant variieren die Bezahnung des Rostrums und die Längenverhältnisse der Körperteile zueinander bei der ältesten und verbreitetsten Farbform, den "wildfarbenen" Bienengarnelen am deutlichsten. Die Crystal Red, welche bekanntermaßen von einigen wenigen Tieren abstammt, weist eine etwas geringere Variabilität dieser Merkmale auf, am einheitlichsten sind die Merkmale bei der Colorbiene als relativ "junge" Farbform ausgeprägt.
Vergleich mit der Literatur:
Versucht man den Bestimmungsschlüssel in der Revisionsarbeit von Cai (1) auf die Bienengarnele anzuwenden, kommt man nach den ersten beiden Entscheidungsfragen (Rostrumlänge) zur Frage nach dem Längenverhältnis des beweglichen Fingers der Scheren des ersten Schreitbeinpaares zur "Handfläche" (engl: palm). Hier bekommen wir aber Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung. Die meisten der "normalfarbigen" Bienengarnelen weisen ein Verhältnis Länge des Finger zu palm kleiner 1,0 auf, was zu einer Zuordnung zu Caridina nanaoensis führen würde. Eine Tiere aber zeigen ein Verhältnis von 1,0 und einige Tiere tragen Finger, deren Länge die Länge der palm deutlich übersteigen. Das ganze Ausmaß des Dilemmas zeigt sich bei den Colorbienen, wo alle weiblichen Tiere der Art C. nanaoensis zugeordnet werden könnten, sämtliche männlichen Tiere aber einer anderen Art angehören würden. Der publizierte Bestimmungsschlüssel ist deshalb für unsere Bienengarnelen nicht brauchbar.
Vergleicht man die Merkmale der Bienengarnele mit denen der einzelnen beschriebenen Arten sind folgende Unterschiede festzustellen:
Von Caridina sphyrapoda, C. apodosis sowie C. wumingensis unterscheidet sich die Bienengarnele durch ein viel kürzeres Rostrum und einer anderen Rostrumformel.
Auch in der Ausbildung der Geschlechtsmerkmale treten erhebliche Unterschiede auf, so dass diese Arten für eine Zuordnung nicht in Frage kommen.
Von Caridina serrata (1,3,6) unterscheidet sich die Bienengarnele durch ein deutlich längeres Rostrum (bis zur Mitte des 2. Antennensegmentes reichend , bei C. serrata bis zum Ende des ersten oder Anfang des 2. Segmentes). Die Spitze des Rostrums ist bei C. serrata aufwärts gerichtet, bei der Bienengarnele dagegen gerade.
Die Antennenbasis ist bei C. serrata etwas kürzer als bei den Bienengarnelen. Carpus und Merus des ersten Schreitbeinpaares sind bei C. serrata ebenfalls kürzer als bei der Bienengarnele. Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares ist bei C. serrata im Vergleich mit dem Exopod etwas länger als bei der Bienengarnele und nicht diagonal zurückgefaltet.
Von Caridina cantonensis (Cai)(1) unterscheidet sich die Bienengarnele durch eine durch eine geringere Anzahl von Zähnen an der Unterseite des Rostrums (1-3 vs. 2-6 bei C. cantonensis), einem kürzeren Scaphoceriten (LxB 2,8 vs. 3,3 bei C. cantonensis), einer etwas kürzeren Antennenbasis (AB/C 0,59 vs. 0,7 bei C. cantonensis),. Die beweglichen Finger des ersten Scherenpaares der Bienengarnele sind nicht immer gleich lang wie die Handfläche, der Merus des ersten Schreitbeinpaares ist bei der Bienengarnele deutlich kürzer als bei C. cantonensis (LxB 2,4 vs. 2,7). Der Propodus des 3. Schreitbeinpaares ist bei der Bienengarnele ebenfalls deutlich kürzer (LxB 9,1 vs. 10,0 bei C. cantonensis). Die Falte der Uropoden trägt bei der Bienengarnele deutlich mehr Dornen (20-23) als bei C. cantonensis (15-20), die distalen Dornen des Telson sind bei C. cantonensis gleich lang, bei der Bienengarnele weisen sie unterschiedliche Längen auf.
Die nicht so detaillierte Erstbeschreibung von C. cantonensis (Yu)(2) entspricht in vielen Punkten unserer Bienengarnele. Das Rostrum von C. cantonensis (Yu) ist aber etwas länger (bis zum 2. oder 3. Antennensegment reichend) und trägt an der Unterseite mehr Zähne (4-6 vs. 1-3 bei der Bienengarnele). Viele Bienengarnelen weisen eine Fingerlänge unter der der Handfläche auf (Finger bei C. cantonensis (Yu) gleich oder länger als die Handfläche), und der Dactylus des 5. Schreitbeinpaares trägt bei C. cantonensis deutlich mehr Dornen an der Hinterkante (38-45 vs. 33-36 bei der Bienengarnele).
Von C. nanaoensis unterscheidet sich die Bienengarnele durch eine etwas geringere Anzahl an Dornen am Rostrum unten 1-3 vs. 3-6(4-5) bei C. nanaoensis). Der Merus des ersten Schreitbeinpaares der Bienengarnele ist etwas schlanker (LxB 2,4 vs. 2,2 bei C. nanaoensis), die Scheren des 2. Schreitbeinpaares sind ebenfalls schlanker (LxB 2,7 vs. 2,5 bei C. nanaoensis). Das Verhältnis zwischen Länge des Propodus und Dactylus des 3. Schreitbeinpaares (4,1 vs. 3,4 bei C. nanaoensis) sowie des 5. Schreitbeinpaares (4,5 vs. 3,5 bei C. nanaoensis) weicht ebenfalls ab. C. nanaoensis weist eine etwas geringere Anzahl an Dornen an der Falte der Uropoden (17-18 vs. 20-23) auf, die distalen Dornen des Telson sind bei C. nanaoensis gleich lang, bei der Bienengarnele weisen sie unterschiedliche Längen auf.
Von C. yulinica unterscheidet sich die Bienengarnele durch im Durchschnitt kürzere Finger der ersten Scheren (Finger / Handfläche >1,0 bei C. yulinica), der Merus des ersten Schreitbeinpaares bei der Bienegarnele ist deutlich länger (LxB 2,4 vs. 2,1), Die Finger des 2. Scherenpaares sind im Vergleich zur Länge der Handfläche bei der Bienengarnele kürzer (LxB 1,5 vs. 1,8 bei C. yulinica). Beim dritten Schreitpeinpaar sind der Dactylus (LxB 3,3 vs. 3,0) und der Propodus (LxB 9,1 vs. 8,0) der Bienengarnele länger als bei C. yulinica. Der Dactylus des fünften Schreitbeinpaares trägt an der Hinterkante bei C. yulinica viel mehr Dornen (42-52) als bei der Bienengarnele (33-36). Das Längenverhältnis zwischen Propodus und Dactylus ist bei der Bienengarnele größer (4,5) als bei C. yulinica (4,0).
Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares ist bei der Bienengarnele etwas schlanker (L/B 2,7) als bei C. yulinica (L/B 2,5).
Die distalen Dornen des Telson weisen bei C. yulinica alle in etwa die gleiche Länge auf, bei der Bienengarnele ist das vorletzte Dornenpaar deutlich kürzer als das äußerste Paar.
Caridina mutata schließlich unterscheidet sich von unserer Bienengarnele durch eine längere Antennenbasis (Länge der AB / Länge des Carpax 0,7 vs. 0,6 bei der Bienengarnele), einen schlankeren Scaphoceriten (L/B 3,3 vs. 2,8 bei der Bienengarnele). C. mutata besitzt wesentlich kürzere (L/B 1,6 vs. 2,1) Scheren am ersten Schreitbeinpaar, die beweglichen Finger dieses Scherenpaares sind immer länger als die Handfläche (bei der Bienengarnele meist kürzer), der Merus dieses Beinpaares ist etwas schlanker (L/B 2,6 vs. 2,4 bei der Bienengarnele). Das zweite Schreitbeinpaar weist einen deutlich schlankeren Carpus (L/B 6,0 vs. 4,8 bei der Bienengarnele) auf. Das dritte Schreitbeinpaar von C. mutata trägt einen etwas stärkeren Dactylus (L/B 2,6 vs. 3,3 bei der Bienengarnele), der Propodus ist etwas schlanker (L/B 9,5 vs. 9,1 bei der Bienengarnele) ebenso der Merus (L/B 6,0 vs. 5,5 bei der Bienengarnele). Auch der Propodus des fünften Schreitbeinpaares ist im Vergleich mit dem Dactylus etwas länger (5,0 vs. 4,5 bei der Bienengarnele).
Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares ist bei C. mutata sigmoidal geformt (vs. rechteckig bei der Bienengarnele) und etwas schlanker (L/B 3,0 vs. 2,7). Der Appendix masculina von C. mutata ist deutlich länger (bis 0,76 * Exopod reichend vs. 0,5 * Exopod Länge bei der Bienengarnele) und schließlich weist Cai auf einen auffallenden Farbwechsel bei weiblichen C. mutata hin, der bei unserer Bienengarnele nicht gefunden werden kann.
Von der erst kürzlich in Hong Kong entdeckten Art Caridina trifasciata (7) unterscheidet sich unsere Biene in erster Linie in der Lebendfärbung: Caridina trifasciata trägt am Hinterrand des Carpax sowie am 3. und 6. Abdominalsegment drei dunkelblaue Querbinden, die zum wissenschaftlichen Namen dieser Art geführt haben. Da die Färbung von Garnelen nicht zur Artbestimmung herangezogen werden sollte, muss auch hier die mikroskopische Morphologie vergleichen werden. Unsere Bienengarnele unterscheidet sich von C. trifasciata durch ein geringfügig kürzeres Rostrum (bis Mitte des 2. Antennenbasissegmentes reichend vs. bis zum Ende des 2. Segmentes bei C. trifasciata), einen geringfügig kürzeren Carpus des 2. Schreitbeinpaares (LxB 4,4-5,7 vs. 5,4-5,9 bei C. trifasciata, einem geringfügig schlankeren Propodus des fünften Schreitbeinpaares(LxB 11,5-13,0 bei der Bienengarnele vs. 11 bei C. trifasciata), einem etwas kürzeren distalen Dorn am Propodus P5, etwas mehr Dornen am Dactylus P5 (33-36 bei der Biene, 29-30 bei trifasciata; bei den Farbformen Crystal Red und Colorbiene ist die Dornenanzahl ident mit der von C. trifasciata) und den gefalteten, innen etwas konkaven Endopod am ersten Schwimmbeinpaar bei der Biene vs. ungefaltet bei C. trifasciata. Die Dornenzahl der Uropodenfalte weicht bei der Bienengarnele geringfügig ab (20-23),die Farbformen Crystal Red (17-21) und Colorbiene (19-24) passen wiederum zu den Angaben von C. trifasciata (18-20).
Die Bienengarnele kann also keiner bisher beschriebenen Art eindeutig zugeordnet werden, ist aber sicher in die unmittelbare Nähe von Caridina trifasciata zu stellen, von der sich die Bienengarnele nur durch eine andere Lebendfärbung und die ungefalteten, geringfügig anders geformten Endopoden des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen unterscheidet.
Ansonsten stimmen die wichtigsten Bestimmungsmerkmale (Rostrumform, -länge und -formel, Form des Endopods des ersten Schwimmbeinpaares und das finger/palm Verhältnis des ersten Scherenpaares) am ehesten mit den Merkmalen von C. nanaoensis überein. Dies Art ist aber nur von einem Fundort auf der Insel NanŽao vor der Chinesischen Südküste beschrieben. Cai macht keine Angaben zur Lebendfärbung von C. nanaoensis, da er aber den Farbwechsel bei unterschiedlich entwickelten Weibchen der Art C. mutata detailliert beschreibt, ist anzunehmen, dass der die auffällige Färbung der Bienengarnele, falls diese auf der Insel NanŽao zu finden wäre beschrieben hätte. In vielen Details stimmt unsere Bienengarnele auch mit der Erstbeschreibung von C. cantonensis durch Yu überein. Zum wesentlich detaillier beschriebenen Neotypus von Cai treten mehrere Unterschiede zu Tage.
Die Bienengarnele könnte daher als neue Art innerhalb der Serrata Artengruppe aufgenommen werden, die Probleme mit der Eingliederung durch die unterschiedlichen finger/palm Verhältnisse der ersten Scherenpaare und die hohe Variabilität bei anderen Merkmalen machen eine eindeutige Abgrenzung zu den bisher beschriebenen Arten problematisch, so dass, vor allem wenn noch weitere Arten innerhalb der Gruppe auftauchen sollten, auch zu überdenken wäre, ob die von Cai als selbständige Arten beschriebenen: C. nanaoensis, C. yulinica und C. mutata, C. trifasciata, sowie unsere Bienengarnele nicht nur Lokalformen oder Unterarten einer gemeinsamen Art, wohl C. cantonensis anzusehen sind.
Natürlicher Lebensraum:
Da die Bienengarnele systematisch wohl in unmittelbarer Nähe von Caridina trifasciata oder Caridina cantonensis anzusiedeln ist, bleibt noch die Lebendbedingungen dieser Arten in ihren ursprünglichen Biotopen zu nennen.
Auf Hong Kong werden beide Arten in 2 Bächen gefunden, deren Grund mit Sand und Kiesbänken zwischen großen Steinen bedeckt ist. Das Wasser ist generell unter 50cm tief. Die Garnelen leben in beschatteten Becken, wo sich größere Mengen an Falllaub angesammelt hat. Der pH Wert beider Bäche war niedrig (pH 5,4-6,0 bzw. 5,5-6,2) mit hohen Sauerstoffkonzentrationen (8,2-8,4 mg/l bzw. 8,6-8,8 mg/l). Das Wasser war weich, die Leitfähigkeit beträgt 39-58 µS/cm bzw. 49-60 µS/cm. Die Nitratkonzentration betrug 0,4-0,5 mg/l bzw. 0,4-0,7 mg/l. Die Phosphatkonzentration betrug jeweils 0-0,1 mg/l.
Es ist mir gelungen, Kontakt mit Y. Cai von der National University of Singapore und dem Institute of Zoology der Chinese Academy of Science, Beijing, China aufzunehmen. Die Wissenschaftler haben sich bereit erklärt, unsere Tiere zu untersuchen und mit dem Material in Ihren Sammlungen zu vergleichen. Vielleicht kann es so gelingen, die Bienengarnele und ihre Farbformen noch besser in die Serrata Gruppe einzuordnen.
Die Tigergarnele
Wie die Bienengarnele gehört auch die Tigergarnele zu den Tieren der Serrata-Gruppe. Die zart gestreiften Tiere gelten als besonders leicht zu halten und zu vermehren und gehören deshalb seit langem zu den beliebtesten Süßwassergarnelen der Aquarianer.
Mikroskopische Merkmale:
Rostrum gerade bis leicht abwärts gerichtet, bis in das 2. Antennenbasissegment reichend, 5,0-8,1 (MW 6,8) mal so lang wie hoch, 0,3-0,4 mal so lang wie der Carpax, Spitze gerade. Die Rostrumformel beträgt 3-7 (4-5) + 9-11 (9) / 1-3 (2)
Der Scaphocerit ist 2,8-3,3 (MW 3,0) mal so lang wie breit, der Stylocerit reicht bis 0,5-0,66 (MW 0,6) mal der Länge des 2. Antennenbasissegmentes.
Die Basis des 2. Antennenpaares entspricht 0,5-0,6 mal der Länge des Carpax.
Der Orbitalwinkel geht in einen deutlichen Dorn über, der Pterygostomialwinkel ist nach vorne gerichtet und etwa rechtwinklig gerundet. Der Unterrand des Carpax fällt in den vorderen 2/3 nach hinten deutlich ab.
Die Scheren des 1. Schreitbeinpaares sind 1,9-2,2 (MW 2,1) mal so lang wie breit, der bewegliche Finger (dactylus) 0,9-1,2 (MW 1,0) mal so lang wie die "Handfläche" (palm). Beide Finger tragen an den distalen Enden die familientypischen "Pinsel".
Der Carpus ist 1,2-1,7 (MW 1,4) mal so lang wie breit, 0,6-0,8 (MW 0,7) mal so lang wie die Schere, 0,6-1,0 (MW 0,8) mal so lang wie der Merus und distal stark eingekerbt. Der Merus ist 2,6-4,0 (MW 3,0) mal so lang wie breit und 0,8-1,1 (MW 0,9) mal so lang wie die Schere.
Die Scheren des 2. Schreitpeinpaares sind 2,4-3,3 (MW 2,9) mal so lang wie breit, der bewegliche Finger (dactylus) 1,3-1,9 (MW 1,5) mal so lang wie die "Handfläche" (palm). Beide Finger tragen an den distalen Enden die familientypischen "Pinsel".
Der Carpus ist 4,4-5,4 (MW 4,8) mal so lang wie breit, 1,1-1,3 (MW 1,2) mal so lang wie die Schere und 0,9-1,1 (MW 1,0) mal so lang wie der Merus.
Der Merus ist 4,3-5,9 (MW 5,2) mal so lang wie breit und 1,2-1,3 mal so lang wie die Schere.
Das dritte Schreitbeinpaar trägt am distalen Ende einen 3,2-4,2 (MW 3,6) mal so langen wie breiten Dactylus, der am Ende eine starke, an der Hinterkante 4-5 kleiner werdende Krallen trägt. Der Propodus ist 6,9-9,7 (MW 8,5) mal so lang wie breit, 3,4-4,3 (MW 3,8) mal so lang wie der Dactylus und trägt 12-15 (MW 14) Dornenpaare. Der Carpus ist 4,0-4,6 (MW 4,4) mal so lang wie breit, 0,6-0,7 mal so lang wie der Propodus und trägt einen starken Dorn. Der Merus ist 5,5-7,5 (MW 6,6) mal so lang wie breit, 1,3-1,5 (MW 1,4) mal so lang wie der Propodus und trägt 3-4 (meist 3) starke Dornen.
Das vierte Schreitbeinpaar ähnelt dem dritten.
Das fünfte Schreitbeinpaar trägt am distalen Ende einen 3,6-4,9 (MW 4,3) mal so langen wie breiten Dactylus, mit am Ende einer starken Kralle, an der Hinterkante 35-42 (MW 39) Dornen in kammförmiger Anordnung. Der Propodus ist 10,4-13,2 (MW 11,6) mal so lang wie breit, 3,3-4,0 (MW 3,6) mal so lang wie der Dactylus und trägt 10-18 Dornenpaare. Der Carpus ist 3,9-5,9 (MW 4,7) mal so lang wie breit, 0,5-0,8 (MW 0,6) mal so lang wie der Propodus und trägt einen starken Dorn. Der Merus ist 5,0-6,6 (MW 5,9) mal so lang wie breit, 0,8-0,9 mal so lang wie der Propodus und trägt 3-4 starke Dornen.
Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen zeigt eine ungewöhnliche Ausformung. Es ähnelt in etwa dem der Bienengarnele, ist distal außen aber verbreitert. Das Endopod ist 2,3-3,1 (MW 2,7) mal so lang wie breit und reicht bis 1,4-1,6 (MW1,5) mal der Länge des Exopods. Distal trägt es einen kleinen Appendix interna, der das distale Ende des Endopods meist nicht erreicht. Die leicht konkave Innenkante trägt wenige kurze Dornen, Der äußere und distale Rand trägt längere Dornen, die längsten im distalen Bereich der Außenkante.
Das 2. Schwimmbeinpaar der Männchen trägt einen Appendix masculina der bis 59-67% der Länge des Endopods reicht.
Das 5. Abdominalsegment ist 0,7-1,1 (MW 0,9) mal so lang wie hoch und 0,3-0,4 mal so lang wie der Carpax. Das 6. Segment ist 1,4-1,8 (MW 1,6) mal so lang wie breit und 0,4-0,6 mal so lang wie der Carpax.
Der Telson ist 3,6-5,2 (MW 4,2) mal so lang wie hoch, 0,4-0,5 mal so lang wie der Carpax und trägt dorsal 4-6 Dornenpaare (meist eine Reihe mit 4 und eine Reihe mit 5 Dornen) und ein Paar dorsolateral. Der Hinterrand des Telson ist konvex, trägt einen deutlichen Mittelzahn und distal 4-5 Paare langer Dornen. Das vorletzte Paar ist etwas kürzer, die inneren Paare gleich lang wie das äußere Paar.
Die Falte der Uropoden (diaresis) trägt 19-22 bewegliche Dornen.
Die Morphologie der Tigergarnele ist damit in den meisten Körperteilen ident mit der Bienengarnele. Es konnten nur zwei auffallende Unterschiede gefunden werden:
Der Stylocerit der Tigergarnele ist länger (über die Hälfte des 2. Antennenbasissegmentes reichend, Biene: bis zur Hälfte) und das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares des Männchens ist bei der Tigergarnele distal verbreitert und erinnert mit seiner Form an einen menschlichen Fußabdruck.
Eine solche distale Verbreiterung ist in der Gattung Caridina sehr selten, gilt sie doch als Merkmal zur Abtrennung der Gattung Neocaridina von Caridina.
Aufgrund dieses auffallenden Unterschiedes kann die Tigergarnele als eigenständige Art von den anderen bisher beschriebenen Tieren der Serrata Gruppe abgetrennt werden und gehört einer wissenschaftlich bisher noch nicht beschriebenen Art an.
zitierte Literatur:
1)Y.Cai and N.K.Ng, (1999)
A revison of the Caridina serrata species group, with descriptions of five new species
J. of Natural History, 33, 1603-1638
2) S.C. Yü, (1938)
Studies on Chinese Caridina with Descriptions of five new Species
Bull. Fan. Mem. Inst. Biol, Zool. Series, VIII 275-309
3) E.L. Bouvier, (1925)
Reserches sur la Morphologie, les Variations, la Distribution Geographique des Crevettes de la Familie des Atyides, Encyclopedie Entomologique, Serie A
4) A. Karge, (2002)
Zwerggarnelen. Teil 1: Über die Schwierigkeiten ihrer Bestimmung.
Das Aquarium 399, September 2002: 6-13
5) A.Karge, (2002)
Zwerggarnelen. Teil 2: Bestimmungsversuch der Bienengarnele (A1/10).
Das Aquarium 400, Oktober 2002: 12-17
6) S. Kemp, (1918)
Zoological results of a tour in the Far East. Crustacea Decapoda
Memoirs of the Royal Asiatic Society of Bengal
7) R.S.W. Yam, Y.,Cai, (2003)
Caridina trifasciata, a new species of freshwater shrimp (Decapoda: Atyidae) from Hong Kong
The Raffles Bulletin of Zoology 2003 51(2): 277-282
Ich möchte mich ganz herzlich bei jenen Züchtern bedanken, die mir kostenlos Tiere für die Untersuchungen zur Verfügung gestellt haben: Thomas Friedrich, Doris Widtmann und Werner Maicher.
|