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Die meisten Zwergarnelen wurden bislang auf Basis ihrer Körperfärbung mit verschiedenen Trivialnamen belegt und leider recht kritiklos als eigene Arten angesehen. Nachdem sich in jüngerer Vergangenheit einige dieser "Arten" als Vertreter der sehr variablen Neocaridina denticulata (sinensis) erwiesen hatten, wurden zuerst die Endopoden der ersten Pleopoden (Schwimmbeinpaare) männlicher Tiere näher betrachtet. Und richtig, auch hier fand sich die für die Gattung Neocaridina fast immer typisch rundliche bzw. birnenförmige Ausbildung des quasi als Begattungsorgan fungierenden Endastes des ersten Schwimmbeinpaares. Details in den Proportionen sowohl der Endopoden als auch des kleinen Appendix masculina weichen allerdings von Neocaridina denticulata (sinensis) ab. Am unteren vorderen Rand des Carapax (Pterygostomialwinkel) findet sich der für viele Neocaridina-Arten typische Dorn, der hier aber nur sehr klein ausgebildet ist. Der Winkel selbst ist gerundet. Das gerade, schlanke Rostrum ist relativ kurz. Es reicht in der Regel bei männlichen Tieren bis zur Mitte bzw. bei weiblichen Tieren bis zum Ende des 2. Segmentes der Antennenbasis. Allerdings gab es auch (männliche) Exemplare, deren Rostrum nur bis zum Anfang des 2. Basissegmentes erreichten. Die vorgefundene Bandbreite der Rostrumformel lautet: 2-5 + 8-16 / 2-8.
Das Telson trägt distal 8 Dornen, gelegentlich auch einen zusätzlichen unpaaren 9 Dorn wie im Foto.
Hervorzuheben wäre dabei, dass das vorletzte Dornenpaar etwas kürzer als die übrigen ist. Der Telsonrand
ist konvex ausgebildet und trägt oft einen kleinen Mittelzahn. Dorsal trägt das Telson 4-5 Dornenpaare,
zuzüglich dem äußeren Dornenpaar am dorsalen Rand.
In allen bisher untersuchten Merkmalen stimmen die "Rotrückengarnele" [A4] und die "Marmorgarnele" [A23] überein.
Unterschiede wurden lediglich bei den Proportionen der ersten beiden Schreitbeinpaare (Peraeopoden) festgestellt.
Die [A23] zeigt hier etwas gestrecktere Gliedmaßen, was sich im Verhältnis Dactylus/Propodus und Länge/Breite des
Carpus auswirkt. Hier dürfte es sich aber um innerartliche Unterschiede zwischen Tieren aus unterschiedlichen
Populationen oder Zuchten handeln und nicht um Merkmalsunterschiede zwischen zwei nahe verwandte Arten.
Die Gattung Neocaridina wurde 1996 von Y. Cai einer grundlegenden Revision unterworfen. Viele der dort
aufgeführten Arten kommen aufgrund des relativ kurzen Rostrms von vornherein nicht in Frage.
Von N. denticulata sinensis unterscheidet sich die gesuchte Art in einem schwächer ausgeprägten Zahn am
Pterygostomialwinkel, den wesentlich gestreckteren Endopoden der 1. Pleopoden (1,5-2,1 vs. 1,2 bei N.d.s.)
und einem dickeren, oft keilförmigen Appendix interna den 1. Pleopoden. Durch das recht kurze Rostrum
scheinen nur die Unterarten N. denticulata luoyangensis, eventuell N. d. zhoushanensis oder eine der bislang
bekannten Unterarten von Neocaridina palmata für unsere Tiere in Frage zu kommen.Allerdings zeigen die untersuchten
Tiere in der Regel ein doch etwas längeres Rostrum als für die beiden Unterarten von N.denticulata angegeben.
Auch die Dornen am Uropodial diaresis ( 11-14 bzw. 11-13 vs. 11-17) deuten nicht unbedingt auf diese beiden Unterarten.
In dem engeren Kreis der möglichen Arten verbleibt also nur noch Neocaridina palmata (Shen, 1948) oder eine ihrer Unterarten.
Obwohl durch Kubo bereits 1937 die Gattung Neocaridina mit N. denticulata sinensis und N. d. koreana unter Angabe der
damals bekannten Schlüsselmerkmale aus der Gattung Caridina herausgelöst wurde, beschrieb Shen seine Tiere als Caridina
palmata. Als Herkunft der sieben Bestimmungsexemplare wurde Shapingpa im Gebiet Chungking/Provinz Guizhou angegeben. Die
Art scheint aber ein weitaus größeres Verbreitungsgebiet zu besitzen. Für die Nominatform N. p. palmata gibt Y.Cai
beispielsweise neben den chinesischen Provinzen Zhejiang, Hubai, Sichuan, Guizhou, Fujian, Jiangxi, Hunan, Yunnan,
Guangxi und Guangdong auch Vietnam an. Innerhalb seiner Revision stellte Y.Cai unter anderem Caridina vietnamensis Dang 1967
bzw. Caridina denticulata vietnamensis Dang, 1975 zu Neocaridina p. palmata.Weiterhin ordnete er Caridina denticulata anhuiensis
als neue Unterart zu Neocaridina palmata anhuiensis (Liang et al., 1984). Gleiches gilt für N. palmata ishigakiensis
(Fujino & Shokita, 1974), die bis dahin als Caridina denticulata ishigakiensis bzw. Neocaridina ishigakiensis Shokita,
1979 bekannt war. Als gänzlich neue Unterart wurde letztendlich Neocaridina palmata bosensis Cai, 1996 beschrieben.
Aufgrund der Herkunftsangaben dürfte daher N. p. ishigakiensis auszuschließen sein. Die (chinesische) Literatur zu N. p. anhuiensis von Liang war leider bislang nicht verfügbar und auch die englische Zusammenfassung bei Cai ergab keine Hinweise auf den Körperbau dieser Unterart. Wichtig erscheinen daher Cai´s Hinweise zur Unterart N. p. bosensis und ihrer Unterschiede zur Nominatform.Er verweist dabei auf zwei wesentliche Unterscheidungsmerkmale: das kürzere Rostrum bis zur Mitte des 2.Segmentes der Antennenbasis und kleinen Zähnen sowie der runde Pterygostomialwinkel mit einem kleinen Dorn, der aber auch fehlen kann. Für N. p.pamata gibt Shen eine Rostrumlänge etwas über das 3. Segment der Antennenbasis bei weiblichen und nicht länger als das 3. Segment bei männlichen Tieren an. Seine Abbildung zeigt deutlich größere Zähne. Sehr interessant ist hier der Hinweis auf die innerhalb der Geschlechter unterschiedliche Rostrumlänge, der so kaum von anderen Arten bekannt ist, aber auch bei den untersuchten Tieren festgestellt wurde.
Fassen wir alle vorgefundenen Körpermerkmale zusammen und vergleichen sie mit den Informationen aus der Literatur, kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei allen untersuchten Tieren um Neocaridina palmata bosensis CAI, 1996 handelt.Die deutschen Trivialnamen "Rotrücken- bzw. Nektarinengarnelen" für die [A4], "Marmorgarnele" für die [A23] und auch "Salt&Pepper" haben sich in letzter Zeit eingebürgert und suggerieren verschiedene Arten. Sie werden sicher nur schwer durch einen neuen, einheitlichen Namen zu ersetzen sein. Am ehesten scheint noch die Bezeichnung "Rotrückenmarmorgarnele" [A4] für die farblich attraktiveren Tiere aus Maizou und "Marmorgarnele" [A4a] für die übrigen Tiere zu sein.
Text und Fotos: Werner Klotz
& Andreas Karge
Wollen Sie wissen, warum die "Rotrücken" [A4] rote Rücken haben?, dann lesen Sie HIER weiter...
© Werner Klotz
& Andreas Karge, 03.03.2005
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