Auf vielen Internetseiten und in der Artendatenbank der AGW tauchen Bilder einer meist grüngefärbten Zwerggarnele auf, die oft die Bezeichnung "Caridina ceylanica" trägt und aus Sri Lanka stammen soll.
Eine C. ceylanica ist aber in der wissenschaftlichen Literatur unbekannt. Die einzige ähnlich klingende Art trägt den lateinischen Namen Caridina zeylanica.
Dass es sich bei unserer Garnele aber um dieses Tier handelt, ist aus mehreren Gründen auszuschließen:
C. zeylanica trägt ein Rostrum, das weit über die Spitze der Antennenbasis ragt, bei unserer Garnele reicht es bis in das 3. Segment, aber nicht deutlich über die Basis hinaus.
C. zeylanica kommt ausschließlich in Brackwassergebieten Sri Lankas vor und weibliche Tiere tragen eine Vielzahl kleiner Eier, so dass von einem planktonischem Brackwasserstadium, ähnlich wie bei der Amanogarnele C. japonica ausgegangen werden muss. Eine Vermehrung in reinem Süßwasser ist damit höchst unwahrscheinlich.
Um die Garnele mit den Angaben in der Literatur vergleichen zu können, müssen wir und das Tier unter dem Mikroskop betrachten und vermessen.
Das Rostrum reicht meist bis zum Ende des 3. Segmentes der Basis der 2. Antennen, selten auch bis zum Beginn, oderzur Mitte dieses Segmentes, es ist gerade bis leicht abwärts gebogen, dorsal (auf der Oberseite) im distalen (nahe der Spitze) Bereich leicht konkav, ventral(auf der Unterseite) mittig konvex. Der distale Bereich ist ventral unbezahnt. Die Rostrumformel lautet 3-6(4)+10-12/4-8(5), mit deutlichen Härchen zwischen den dorasalen Zähnen.
Der Stylocerit ist spitz und reich bis ca. 60% des ersten Antennenbasalsegmentes.
Der Orbitalwinkel trägt einen deutlichen, etwas abgesetzten Zahn.
Der Pterygostomialwinkel ist stumpf, aber meist mit deutlichem Zahn.
Die Basis des 2. Antennenpaares ist sehr lang (0,6-0,8 * der postorbitalen Carpax Länge).
Das erste Schreibeinpaar ist sehr kurz, bis etwa zum Zahn am Orbitalwinkel reichend. Die Scheren sind 1,9-2,3 mal so lang wie breit, der bewegliche Finger 2,5-3,5 mal so lang wie breit und 1,0-1,2 mal so lang wie die "Handfläche". Der
Carpus des ersten Schreitbeinpaares ist 1,3-1,6 mal so lang wie breit und distal stark eingekerbt.

Das zweite Schreibeinpaar ist etwas länger, bis zum distalen Ende des ersten Antennenbasissegmentes reichend. Die Scheren sind 2,6-2,8 mal so lang wie breit, der Finger 1,2-1,4 mal so lang wie die Handfläche. Der Carpus ist ca. 3,5-4,5 mal so lang wie breit und distal nicht eingekerbt.
Das 3. Schreitbeinpaar trägt einen langem Dactylus (Länge / Breite 3,2-4,0) mit 2 Endkrallen und 5-6 kleineren Krallen.
Der Propodus ca. 7,5-9,5 mal so lang wie breit und 3,0-3,5 mal so lang wie der Dactylus.
Der Carpus trägt einem sehr starken Dorn, der Merus 3 oder 4 starke Dornen.
Das 4. Schreitbeinpaar ist ähnlich dem dritten.
Die 5. Schreitbeine tragen am Dactylus nur 18-25 Dornen an der Hinterkante, dieses Segment ist 3,2-4,7 mal so lang wie breit. Der Carpus ist 3,8-5,2 mal so lang wie breit und trägt 1 starken Dorn, der Merus ist 5,7-6,1 mal so lang wie breit und trägt meist 2 Dornen.
Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares (Länge/Breite ca. 2,5) ist kurz, nicht bis zur Hälfte des Exopods reichend, distal leicht verschmälert, innen ganz leicht konkav, an der Außenseite leicht konvex. Nahe dem distalen Ende entspringt ein sehr deutlicher Appendix interna, welcher etwa die halbe Länge des Endopods hat.

Der Appendix masculina des 2. Schwimmbeinpaares ist wie der Appendix interna schlank und reicht bis zur Hälfte des Endopods.
Die Eigröße eines eiertragenden Weichchens beträgt 0,62-0,64 * 0,96-0,98 mm.
Die Falte der äußeren Uropoden trägt 13-17 Dornen.
Der Telson oberseitig 4 oder 5 Dornenpaare und ein dorsolaterales Paar.
Der Hinterrand ist konvex, fast dreieckig mit winzigem Mittelzahn und trägt 4 Paar distale Dornen, das äußerste Paar leicht länger als die inneren Paare.
Vergleicht man die Garnele mit den für Ceylon beschriebenen Arten, so fällt die große Ähnlichkeit mit der Art C. fernandoi auf. Von dieser Art unterscheiden sich die Tiere allerdings durch das etwas längere Rostrum und die längere Antennenbasis. Der Carpus des 2. Schreibeinpaares ist bei C. fernandoi etwas länger, die Dactyli des 3. und 4. Schreitbeinpaares kürzer. Der Dactylus des 5. Schreibeinpaares trägt bei den grünen Zwerggarnelen auch viel weniger Dornen als C. fernandoi. Die Falte der Uropoden trägt bei C. fernandoi ebenfalls mehr Dornen. Und schließlich fällt bei unserer Garnele der Zahn am Pterygostomialwinkel auf, der bei keiner in Sri Lanka gefundenen Caridinaart beschrieben worden ist.
Die grüne Zwerggarnele kann damit keiner bisher in Ceylon beschriebenen Art zugeordnet werden. Weitet man die Suche nach in Frage kommenden Arten auf das indische Festland aus, stößt man bei Bouvier (1925) auf drei Arten, die einen Zahn am Pterygostomialwinkel tragen können:
Als erstes C. weberi prox. var. sumatraensis, eine Art, die von Kemp (1918) aus Zentralburma beschrieben wurde und im wesentlichen mit unserer Grünen Zwerggarnele übereinstimmt. Allerdings wurde die Beschreibung Kemps im Jahr 2000 von Cai revidiert , die Zuordnung der Tiere als Unterart von C. weberi in Frage gestellt und da Kemps Material nicht mehr für eine neuerliche Untersuchung zur Verfügung steht, wieder als unbekannte Art (Caridina sp.) zurückgestellt. Als nächste Art mit Zahn am Pterygostomialwinkel beschreibt Bouvier Caridina babaulti und als dritte Art Caridina davidi, welche heute als Neocaridina denticulata davidi bezeichnet wird und sich von der grünen Zwerggarnele in der Ausbildung des Endopods des ersten Schwimmbeinpaares der Männchen völlig unterscheidet.
Auch in China finden wir 4 Arten, die einen Zahn am Pterygostomialwinkel tragen (Yü, 1938). Caridina pingi, Caridina pingoides, Caridina babaultoides und die bereits erwähnte Neocaridina denticulata mit ihren Unterarten.
C. pingi unterscheidet sich von unserer Grünen Zwerggarnele durch eine andere Rostrumformel, einen distal nur schwach eingekerbten Carpus des ersten Schreitbeinpaares und anders geformte Geschlechtsmerkmale an den Pleopoden der männlichen Tiere.
C. pingoides unterscheidet sich ebenfalls in der Rostrumformel und der Ausformung der männlichen Geschlechtsmerkmale.
Bei C. babaultoides ist das Rostrum etwas kürzer als bei unseren Tieren und reich bis zum 2. Segment der Antennenbasis, die Bezahnung des Rostrums ähnelt unseren Tieren, das erste und zweite Pleopodenpaar der Männchen weist aber eine völlig andere Ausformung auf. Das Endopod des ersten Schwimmbeinpaares ist distal stark verschmälert, breit fingerartig und trägt einen zurückgebogenen ellyptischen Appendix interna. Der Appendix masculina des 2. Pleopodenpaares ist bei dieser Art ungewöhnlich schlank, trägt sehr kurze Dornen und reicht bis knapp vor das distale Ende des Endopods.
Bleibt also Caridina babaulti. Die von mir untersuchten Tiere decken sich mit allen bei Bouvier(1918 und 1925) beschriebenen Merkmalen dieser Art, mit Ausnahme der Bedornung des Dactylus des 5. Schreitbeinpaares, das bei den von Bouvier beschriebenen Tieren mehr Dornen (35-40) aufweist, aber mit der Beschreibung Kemps übereinstimmen würde. Bouvier sieht in der Art Caridina babaulti eine Übergangsform von C. brevirostris zu Caridina davidi und stellt sie in unmittelbare Nähe der letzteren Art. Der hohe Grad der Übereinstimmung der Morphologie dieser beiden Arten bis auf die Ausformung der männlichen Geschlechtsmerkmale und der ebenfalls höheren Anzahl an Dornen am Dactylus des 5. Schreitbeinpaares (50-60), bei weiblichen Tieren das einzige brauchbare Unterscheidungsmerkmal, ist verblüffend. Da diese Tiere aber von Kubo (1937
) als eigenständige Gattung Neocaridina abgetrennt wurden, muss diese systematische Einteilung aus heutiger Sicht revidiert werden.
1987 wurde im Südirak eine Unterart von C. babaulti neu beschrieben und C. babaulti basrensis genannt. Meine Tiere unterscheiden sich von dieser Unterart aber deutlicher als von Bouviers Tieren durch die Länge des Dactylus am 5. Schreibeinpaar und der geringeren Anzahl an Dornen an der Falte der Uropoden (18-20 bei C. babaulti basrensis). Bei Bouvier bleibt noch anzumerken, dass sich die von ihm beschriebenen Tiere von verschiedenen Fundorten innerhalb Indiens in der Ausformung des Zahnes am Pterygostomialwinkel und vor allem der Eigröße deutlich unterscheiden, möglicherweise handelt es sich dabei nicht um eine einheitliche Art. Unsere Tiere gehören demnach der Art Caridina babaulti an und können aufgrund der Unterschiede bei der Bedornung des 5. Dactylus als eine neue Unterart angesehen werden.
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Kemp (1918)
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Encycl. Entomol., (A) 4: 1-370, figs. 1-716
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