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Bis vor kurzem war der Name Caridina babaulti sowohl unter Aquarianern als auch unter Biologen wenig bekannt.
Erst durch die Zuordnung der Grünen Zwerggarnele als eine bislang unbeschriebene Unterart
von C. babaulti ist diese Bezeichnung gängig geworden
(siehe Zur grünen Zwerggarnele Caridina "ceylanica" A12).
![]() Die klassische "Grüne Zwerggarnele" C. cf. babaulti ssp.
![]() Die rotbraune Variante der "Grünen Zwerggarnele" C. cf. babaulti ssp.
Neue "babaultis"Schon von der Grünen Zwerggarnele ist bekannt, dass neben klassisch grüngefärbten Exemplaren auch hell- bis rotbraun gefärbte Tiere in den Populationen auftauchen. Aber auch anderes gefärbte Tiere konnten in die Nähe dieser Art gestellt werden. So entsprechen die mikroskopischen Merkmale der "Streifengarnele" A19 (wohl ident mit der "Leopardgarnele" A14 ) exakt denen der von Bouvier 1918 beschriebenen Tieren. Anders als bei der Grünen Zwerggarnele entspricht bei dieser Art auch die Anzahl der Dornen am Dactylus des fünften Schreibeinpaares den Angaben von Bouvier.
![]() Die "Streifengarnele", morphologisch ident mit C. babaulti Bouvier
Vor kurzem konnte Andreas Karge zeigen, dass auch eine aus Malaysia stammende "Rückenstrichgarnele" in die unmittelbare Nähe dieser Art zu stellen ist.
![]() Caridina cf. babaulti var. malaya beschrieben von A. Karge
Auch die seit längerem bekannte "Regenbogengarnele", ein eher durchsichtiges Tier mit feinem rötlichen Punktmuster könnte in die Nähe dieser Art zu stellen sein. Unter den mir vorliegenden, aus der Zucht von Mustafa Ucozler stammenden Tieren befinden sich leider nur weibliche Tiere, die Untersuchung des ersten Maxillipedenpaares dieser Tiere zeigte aber einen deutlichen fingerartigen Sporn am Endopodit, was mit kleinen Vorbehalten als Abgrenzung von Neocaridina Arten gewertet werden kann.
C. babaulti in der wissenschaftlichen LiteraturDas Auftauchen von immer neuen Farbvarianten ist Grund genug, noch einmal die Literatur nach Beschreibungen dieser Art durchzusehen.Erstmals wurden die von M. Guy Babault in den Jahren 1914-1918 anlässlich einer Expedition durch "Englisch-Indien" gesammelt Tiere im Jahr 1918 von M.E.-L. Bouvier beschrieben (2). In seiner Atyiden Monographie, die 1925 erschienen ist (3), übernimmt Bouvier die Abbildungen und Daten von 1918. Ebenfalls im Jahre 1918 beschreibt S. Kemp unter der Bezeichnung C. weberi prox. var. sumatrensis ein Tier aus dem "Shan state" im heutigen Myanmar (Burma) (1). Kemp bezeichnete die Tiere als "häufigste Art der Niederungen von Indien und Burma". Die Lebendfärbung beschreibt Kemp mit einer Grünfärbung, mache Tiere fast schwarz gefärbt, in der Regel mit hellem Rückenstrich. Bei dunkler gefärbten Exemplaren aus einem zweiten Gewässer wird auf eine hellere Längsstreifung an den Körperseiten hingewiesen. Von C. weberi sumatrensis unterscheiden sich Kemps Tiere durch einen Zahn am Pterygostomialwinkel und durch wesentlich größere Eier. Y. Cai greift in seiner Übersichtsarbeit über die Caridina Arten von Myanmar die Beschreibung Kemps noch einmal auf, merkt an, dass Tiere, die sich so deutlich in der Eigröße unterscheiden nicht zur selben Art gezählt werden können, da sie sich auch in der Larvalentwicklung unterscheiden müssten. Da ihm keine Exemplare dieser Art vorlagen, verzichtete Cai auf eine Beschreibung als neue Art und bezeichnete Kemps Tiere als unzuordenbare Caridina Art (Caridina sp.) (7). 1987 beschrieb Al Adhub eine neue Unterart von C. babaulti aus dem Südirak und benannte sie als C. babaulti basrensis (5). In der selben Ausgabe der Zeitschrift Crustaceana beschreibt S.D. Salman die Larvalentwicklung der von Al Adhub beschriebenen Tiere (6). Aufgrund der großen Anzahl von Larvenstadien wurde die Art zur "prolonged development group", welcher unserem "einfachen Fortpflanzungstyp" entspricht gezählt. Diese Angaben führten zu einer möglicherweise fehlerhaften Interpretation meinerseits, auch unsere Grüne Garnele müsste diesem Entwicklungstyp angehören. Leider war es mir bisher nicht möglich, die Larvalentwicklung dieser Art zu untersuchen. 2002 beschrieb Q.B. Kazmi einige Tiere aus dem Wasserleitungssystem der Universität Karachi die er der Art C. weberi sumatrensis zuordnet (8). Die untersuchten Tiere waren alle weiblich oder das Geschlecht nicht zuordenbar, keines der Tiere trug Eier. Kazmis Beschreibung fällt sehr kurz aus, er weist jedoch auf einen Zahn am Pterygostomialwinkel der Tiere hin. Da dieser Zahn aber weder bei C. weberi noch bei C. weberi sumatrensis zu finden ist, bleibt die Zuordnung diese Tiere für mich fraglich. Auch hier könnte es sich um eine in die Nähe von C. babaulti zu stellende Art handeln. Erst kürzlich gelang es mir, an die Ergebnisse einer Untersuchung zu gelangen, die von Jalihal schon 1984 an einigen Gewässern Südindiens gemacht wurde (4). Jalihal beschreibt unter anderem drei grün bis blaugrün gefärbte Arten, die sich morphologisch nur minimal von Bouviers C. babaulti unterscheiden. Zwei der neuen Arten (C. shenoyi und C. guerney) waren sich in ihren mikroskopischen Merkmalen so ähnlich, dass eine Unterscheidung nur durch die Eigröße trächtiger Weibchen möglich war. Jalihal führte aber Aufzuchtsversuche mit den gefangenen Tieren durch und fand analog den unterschiedlichen Eigrößen für alle drei Arten eine unterschiedliche Anzahl von Larvenstadien. Bei C. kempi betrug die Eigröße 0,33-0,40x0,58-0,65 mm; frisch geschlüpfte Garnelen machten 6 Larval- und 1 Postlarvalstadium durch. Bei C. shenoyi fand Jalihal eine Eigröße von 0,33-0,44x0,57-0,68 mm und 5 Larval- sowie 1 Postlarvalstadium. C. guerney wiederum zeigte eine Eigröße von 0,50-0,65x0,75-0,90 mm sowie 3 Larval- und 1 Postlarvalstadium. Die systematische Stellung als eigenständige Arten war dadurch gesichert. Betrachten wir vor diesem Hintergrund noch einmal die Erstbeschreibung von C. babaulti von Bouvier fällt sofort auf, dass Tiere von unterschiedlichen Fangorten sich deutlich in der Eigröße unterscheiden. Bei den Tieren von Mukhi betrug sie 0,40x0,70 mm, bei Tieren von Majghaon dagegen 0,60*1,20 mm. Vom dritten Fundort bei Rajadhar sind keine eiertragenden Weibchen beschrieben. Es ist daher anzunehmen, dass sich die Tiere von Mukhi und Majghaon auch in der Anzahl der Larvenstadien deutlich unterscheiden, sich hinter der Bezeichnung Caridina babaulti Bouvier also mindestens 2 unterschiedliche Arten verstecken. Um diesen Sachverhalt abzuklären wäre es notwendig, Tiere von den Originalfundstellen zu sammeln, Aufzuchtsversuche durchzuführen und die Artengruppe zu revidieren. Bis zu diesem Zeitpunkt kann keine eindeutige Zuordnung zur Art C. babaulti Bouvier mehr gemacht werden, in die Nähe dieser Art zu stellende Tiere sollten daher, wie es Andreas Karge mir seinen Tieren aus Malaysia bereits gemacht hat durch die Bezeichnung "cf.", dem Artnamen vorangestellt, gekennzeichnet werden.
Literatur: Text: Werner Klotz
Fotos: Q.A. Quante und Aquarium Dietzenbach
© W. Klotz, 01.09.2004
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