Haltung von Hummern

Herkunft:

Lebende Hummer, meist der aus Kanada und den USA importierte Amerikanische Hummer(Homarus americanus), oder der selten gewordenen Europäische Hummer(Homarus gammarus), lassen sich über den Lebensmittelhandel als Speisekrebs beziehen.(Rungis Express, Metro, Kaufhof-Frischfischabteilung Deutsche See und andere).

Halterische Prämissen/Beckeneinrichtung:

Voraussetzung für die Hummerhaltung sind vor allem Kaltwasserbedingungen. (Ein im Winter kalt werdender Hobbykeller ist ideal, ansonsten ist ein Kühlgerät unabdingbar)
Die Tiere vertragen zwar im Sommer Temperaturen bis zu 23 Grad, aber nicht dauerhaft.Wintertemperaturen unter 10 Grad sind als ideal anzusehen. Kaltwassertiere pflegt man allgemein zwischen 12-18 Grad.
Des Weiteren muss die Wasserqualität einwandfrei sein, damit die Tiere keine Häutungsprobleme bekommen. Wegen der enormen Körpergröße der Tiere stellen Becken von ca. 1,40 m Länge schon eher ein Minimum dar.
Ein starke Wasserumwälzung und Wasserdurchlüftung sind bei diesen Tieren ein Muß; je größer die Hummer sind, desto mehr Sauerstoff benötigen sie.
Es ist auch sehr reizvoll, dem Hummer eine Höhle anzubieten. Entweder man bietet ihm eine Betonbeeteinfassung aus dem Baumarkt oder sorgfältig geschichtete Steinbauten aus schweren Stein- oder Sandsteinplatten an. Doch Vorsicht: Mit ihren enormen Körperkräften können sie lose geschichtete Bauten schnell zum Einsturz bringen! Man sollte die Bauten daher solide und groß genug planen, damit sie auch nach einigen Häutungen des Hummers nicht zu klein für ihn sind. Man kann die Bauten auch zementieren.

Häutung und Wachstum der Hummer:

Die Hummer häuten sich anfangs etwa 1-2 mal im Jahr, später werden die Häutungsabstände immer größer. Bei einer Häutung können sie um mehr als 5 cm wachsen. Dieses gilt sowohl für die Körperlänge, als auch für die Breite ihrer Scheren.

Fütterungen:

Füttern kann man die Hummer mit Muscheln, Fisch und Krebsfleisch. Größere Futterfische sollten besser ausgenommen werden, um die Wasserbelastung im Rahmen zu halten.
Es genügt, die Hummer einmal die Woche zu füttern. Man muss immer daruaf achten, dass Sie keine Futtertiere im Bodengrund vergraben, da diese irgendwann verfaulen und das Wasser verderben.
Austern werden aufgeknackt; hat man mehrere ins Becken gegeben, bewahrt der Hummer sie in der Nähe seiner Höhle lebend auf als Vorrat für schlechte Zeiten. Miesmuscheln werden dagegen gerne alle auf einmal geknackt, wodurch das Wasser verderben kann. Daher sollten hier nur soviele gegeben werden, wie der Hummer auf einmal frißt.

Wasserwechsel und Wasserhygiene:

Eine funktionierende Eiweißabschäumung und ab und zu ein Wasserwechsel von einem Viertel des Beckenvolumens(alle zwei-drei Monate) sollten durchaus gemacht werden.

Nachzucht von Hummern:

Auf Dauer kann man Hummer nur als Einzeltiere halten, zu Paarungsversuchen sollte man dem Männchen ein Weibchen zusetzen, dass sich gerade gehäutet hat.
Die Zucht(d.h. die Paarung) ist im Aquarium noch nicht gelungen.
Es ist jedoch bekannt, dass Hummerlarven freischwimmend wie Mysis durch das Becken schweben und mit Artemia bzw. Seepockenlarven aufgezogen werden können. (Dieses ist bereits auf der Helgoländer Station gelungen) Da ein Weibchen mehrere Tausend Eier absetzt, ist die Chance durchaus gegeben, einige hundert kleine Hummer aufzuziehen.

Vergesellschaftung:

Vergesellschaften kann man die Hummer höchstens mit Garnelen(als Restevertilger) oder entsprechend großen Raubfischen in Großbecken. Die Vergesellschaftung mit Plattfischen ist auch möglich, sofern diese entsprechend an ihr Futter gelangen können und Fluchtmöglichkeiten besitzen.

Abschließende Hinweise und Warnungen:

Vor den Scheren dieser Tiere sollte man einen heiligen Respekt haben. Um einen Hummer umzusetzen, sollten man ihn in einen Eimer scheuchen oder sehr schnell am Kopfbruststück packen. Doch Vorsicht: Er kann die Scheren relativ weit nach hinten drehen! Wenn man einen Hummer anfasst, muss man auch aufpassen, dass man nicht mit den Fingern zwischen die spitzen Zacken der Hinterleibssegmente gerät, da auch diese böse Wunden schlagen können. Ein panischer Hummer wird nämlich den Hinterleib einschlagen, um zu flüchten...
Außerdem sollten sich alle technischen Geräte wir Thermometer etwaige Pumpen etc. außerhalb der Reichweite des Tieres befinden. Thermometer knackt er besonders gerne...
Am Besten eignet sich ein Autoscheibenthermometer, welches an einer Aquarienrückwand befestigt wird.
Außerdem sind bei der Haltung/Beschaffung von Europäischen Hummern unter Umständen auch Artenschutzgesetze zu beachten. Hierzu sollte man ggf. bei der entsprechenden Behörde nachfragen. Es ist z.Z. (im Jahre 2002) noch nicht ganz abzusehen, wie sich die Gesetzgebung hier in den nächsten Jahren entwickeln wird.

© Sven Gehrmann, 17.07.2002