Oranger Zwergkrebs

Cambarellus patzcuarensis

Die Nominatform von Cambarellus patzcuarensis ist graubraun gefärbt. Die Herauszüchtung der orangen Farbe, wodurch die Tiere das Interesse der Krebsliebhaber geweckt haben, verdanken wir wahrscheinlich Juan Carlos Merino (Holland).

Herkunft

Cambarellus patzcuarensis kommt ausschließlich im Lago de Pátzcuaro (Bundesstaat Michoacán/Mexiko) vor. Die Leitfähigkeit des Sees beträgt übers Jahr gemittelt ca. 800 ms, wobei der pH-Wert um 9 liegt und die Gesamthärte zwischen 12,5 und 18 dGH schwankt. Die Jahreswassertemperaturen reichen von 15°C bis 25°C.

Haltung

Aus den im Heimatbiotop bekannten Werten kann man die Werte fürs heimische Aquarium ableiten, wobei auch pH-Werte von etwas unter 7 sowie weiches Wasser mit dGH um 6 möglich sind. Bei höheren Temperaturen ab 22°C sollte darauf geachtet werden, dass die Aquarien gut belüftet sind, um den Sauerstoffgehalt hoch zu halten. Durch regelmäßige nicht zu extreme Wasserwechsel muss die Wasserbelastung durch Stickstoffverbindungen (Nitrat/Nitrit) möglichst niedrig gehalten werden.

Die Einrichtung sollte abwechslungsreich mit vielen Pflanzen und Verstecken erfolgen. Ein dunkler Bodengrund mit einer Mulmschicht und Eichen- oder Buchenlaub (im Winter trocken im Wald gesammelt) bilden die Basis für die erfolgreiche Haltung und auch Zucht. Als Filter haben sich bei mir Hamburger Mattenfilter mit Luftheber bewährt, da sie hervorragende Wasserreinigungs-arbeit leisten, das Wasser mit Sauerstoff anreichern und die Quelle für den Mulmboden darstellen, denn ich drücke die Filter, sofern sie nicht mehr genug Wasser durch lassen, im Aquarium aus, so dass sich der Filterschlamm mit seinen Mikroorganismen am Aquarienboden absetzt. Die Filterbakterien sind dann weiter aktiv und die Mikroorganismen bilden eine Nahrungsgrundlage für Jungkrebse.

Auf Grund der geringen Größe von maximal 4 cm lässt sich die Art auch schon in Aquarien ab 50 Liter Volumen gut pflegen. Bei abwechslungsreicher Einrichtung mit vielen Verstecken lassen sich darin 10 bis 20 erwachsene Tiere mit Nachwuchs halten. Einen Überbesatz wird es dabei nicht geben, da bei zunehmender Individuenzahl auch der Kannibalismus zunimmt.

Bei mir vermehren sich die Tiere derzeit sehr gut bei 18°C, pH 6, 3 dKH, 8 dGH, 0 Nitrit und ca. 15 mg/l Nitrat. Außerdem wird täglich ca. 10% Wasser automatisch durch kaltes Leitungswasser ersetzt.

Vergesellschaftung

Eine Vergesellschaftung mit Harnischwelsen oder kleineren Fischen, die den Jungkrebsen nicht nachstellen, ist gut möglich.

Auch können Zwerggarnelen mit eingesetzt werden. Dabei ist der Erfolg jedoch stark abhängig von Beckengröße, Einrichtung und Besatzdichte, denn frisch gehäutete Garnelen, die die Krebse auf ihren Streifzügen durchs Aquarium erbeuten, werden gefressen. Die Vergesellschaftung mit anderen Krebsarten empfiehlt sich nicht, da sie sich entweder gegenseitig auffressen oder es bei anderen Cambarellus-Arten evtl. auch zu Bastarden kommen kann.

Ich selbst bevorzuge die Arthaltung. Dann sind die kleinen Krebse wenig scheu und auch tagsüber im Aquarium unterwegs.

Futter

Die Fütterung sollte sehr abwechslungsreich erfolgen, wobei bei mir tierische Kost der pflanzlichen vorgezogen wird. Meine Tiere füttere ich viel mit Frostfutter, entkapselten Artemia aber auch handelsüblichem Granulat- sowie Flockenfutter. Auch das Laub von Eiche und Buche wird gefressen, dient dem Wohlergehen der Tiere und fördert die Häutung, wodurch die Tiere wachsen. Besonders gern werden lebende Artemia und Wasserflöhe gejagt und gefressen.

Zucht

Da die Art nur ungefähr 1,5 Jahre alt wird, tritt die Geschlechtsreife zwischen dem 3. und 4. Monat bei einer Größe von 15 bis 20 mm recht früh ein, was jedoch stark von der Ernährung und den Wassertemperaturen bzw. der Wasserqualität abhängt. Aufgrund der geringen Lebenserwartung und des doch recht hohen Preises ab wenigstens 20 € (meist 30 bis 50 €) für ein Pärchen sollte man als Halter auch die Zucht anstreben. Durch die Begattungsgriffel der Männchen sind die Geschlechter ab 15 mm schon sehr gut zu unterscheiden, wenn man gute Augen hat oder eine Lupe zu Hilfe nimmt (siehe Bilder).

Was bei der Haltung und beim Futter angesprochen wurde, gilt für die Zucht erst recht. Eier tragende Weibchen benötigen Höhlen, um sich während der 3- bis 5 wöchigen Tragzeit vor den anderen Beckeninsassen verstecken zu können. Dafür bieten sich auf einer Seite geschlossene Bambus- oder Tonröhren an, die einen Innendurchmesser von 10 bis 15 mm haben und mindestens 5 cm lang sein sollten.

Die Begattung erfolgt kurz nach der Häutung der Weibchen. Dabei dreht das Männchen das Weibchen auf den Rücken und übergibt mit seinen "Begattungsgriffeln" ein Spermapaket in die Nähe der weiblichen Geschlechtsöffnung.

Dieser Paarungsakt kann sich bis zu einer Stunde hinziehen. Nach einigen Tagen gibt das Weibchen dann seine Eier ab, die nach Auflösung des Spermapaketes befruchtet werden.

Die 20 bis 60 Eier werden vom Weibchen an den Pleopoden (Schwimmfüßen) getragen und durch Bewegung mit Sauerstoff versorgt. Abgestorbene oder nicht befruchtete Eier werden vom Weibchen entfernt und gefressen. Die Jungkrebse schlüpfen nach ca. 4 Wochen, machen einige Häutung am Hinterleib der Mutter durch, eh sie als fertige Jungkrebse mit einer Größe von 3 mm ihre Mutter verlassen.

Die Aufzucht der Jungkrebse kann in Gesellschaft der Alttiere erfolgen, wenn es viele Verstecke gibt und abwechslungsreich auch mit feinem Futter gefüttert wird.

Sofern sich keine frei schwimmenden Fische im Aquarium befinden, werden sich die kleinen Krebse überall im Aquarium aufhalten und auch viel zu sehen sein. Normalerweise gehen sich die Krebse aus dem Weg. Aber wenn sie sich doch einmal begegnen wird kurz mit den Scheren gedroht oder gerangelt und umgehend nimmt einer der Kontrahenten durch einen schnellen Schwanzschlag Reißaus.

Fazit

Nach meinen Erfahrungen sind Cambarellus patzcuarensis wie auch andere kleine Cambarellus-Arten zwar aufgrund ihrer Größe gut mit kleineren Fischen zu vergesellschaften, kommen aber erst im Art-Aquarium richtig zur Geltung.

Manch einer mag evtl. keine ein Zentimeter hohe Mulmschicht am Aquariumboden mit sich zersetzenden Blättern darauf und auch keinen dichten Pflanzenwuchs, der den Blick kaum 15 cm ins Becken lässt. Solche "Reinlicheits- bzw. Ordnungsfanatiker" werden dann auch nicht viel Freude mit den kleinen Kobolden haben, wenn sie das Aquarium penibel sauber halten, ohne den Bedürfnissen der Krebse gerecht zu werden.

Kai A. Quante, www.wirbellose.de