Fire Zwerggarnele
(Red Cherry Zwerggarnele)

Neocaridia denticulata sinensis var. red

Fire Zwerggarnele Weibchen, Neocaridia denticulata sinensis var. red

Heute möchte ich eine Zwerggarnele vorstellen, die derzeit am meisten Furore macht. In einer der letzten Aqualognews war sie die Nummer sechs der begehrtesten Aquarientiere und die Nummer eins der Garnelen. Das ist somit Grund genug, auf diese wunderschönen Tiere, deren Herkunft, die artgerechte Haltung und auch auf die Zucht näher einzugehen.

Artname
Der "deutsche" Handelsname "Fire Zwerggarnele" (Feuer Zwerggarnele) bzw. "Red Cherry Zwerggarnele" (Rote Kirschen Zwerggarnele) bezieht sich auf die feurig rote Körperzeichnung, die so intensiv sein kann wie bei der "Crystal red Zwerggarnele" (Kristallrote Zwerggarnele).

Werner Klotz hat unter www.wirbellose.de/klotz/red_cherry.html beschrieben, wie der wohl korrekte Artname zu ermitteln war und die Garnelen entsprechend als Neocaridina denticulata sinensis identifiziert. Das "var. red" bedeutet "rote Variante", denn die normale Form dieser Art ist nicht so prächtig rot gefärbt, sondern gräulich braun mit leichter Musterung.

Herkunft
Diese rote Mutation wurde von einem Fischfutterfänger beim Tümpeln in Taiwan in einer kleinen Menge gefunden. Der Zierfischgroßhändler Aquarium Dietzenbach war im Sommer 2002 für Deutschland der Erstimporteur und beliefert seit dem die Zoofachhändler mit Nachzuchten aus Taiwan.

Preise
Die anfänglichen Preise von bis zu 18 EUR pro Tier (!!!) sind inzwischen gefallen und liegen im Handel zwischen 6 EUR und 9 EUR. Vom Züchter bekommt man die Tiere zwischen 1,50 EUR und 3 EUR je nach abgenommener Anzahl.

Färbung
Ich habe schon einige Berichte, Diskussionen und Kritiken verfolgt, die behaupten, dass die Tiere nicht wie versprochen rot werden, bleiben bzw. sind. Meine bisherige Erfahrung und die mir bekannten Zuchtstämme zeigen, dass, sofern nicht die farblose Wildform eingekreuzt wird, die Tiere das rot behalten und auch weitervererben.

Dabei ist natürlich zu beachten, dass es sich bei dem Rot um eine Fettfarbe handelt, die in den Zellen des Körpers eingelagert wird, und die Tiere nicht selbst produzieren können. Diese Karotinoide (fällt Ihnen der Bezug zur Karotte auf?) sind in höheren Konzentrationen z.B. in Möhren, roten Paprika aber auch Cyclops enthalten. Neben diesem natürlichen Farbfutter gibt es auch diverse Flocken- bzw. Granulatfuttersorten, die mit Karotinoiden angereichert sind. Dieses Futter ist bei den verwendeten Farb-Konzentration nicht schädlich. Zum Beispiel wird ß-Karotin vom Organismus nicht nur für die Farbe benötigt, sondern auch vom Körper in Vitamin A umgesetzt. Es genügt auch abwechslungsreiche Ernährung mit Frostfutter und Gemüse, um die benötigte Menge Karotinoide aufzunehmen. Verteufeln Sie also Züchter nicht, die Farbfutter füttern, denn sie unterstützen das Tier bei der Färbung nur bei dem, was ihm angeboren ist. Ohne Fütterung von "Farbe" kann eine rote Garnele genauso wenig rot werden wie ein roter Kanarienvogel. Sollten alle Ihre Fire Zwerggarnelen trotz der Fütterung von entsprechendem Futter nicht die gewünschte Färbung zeigen, liegt das entweder an den Haltungsbedingungen (auch Schreckfärbung bei Transport) oder daran, dass Sie nur Männchen besitzen. Denn bei dieser Farbform ist interessanterweise zu beobachten, dass nur die Weibchen kräftig rot werden und die Männchen dagegen mit wenig rot am Körper sehr blass aussehen. Allerdings ist das auch ein Vorteil, denn das ist ein Kriterium, die Geschlechter dieser, als Weibchen bis 25 mm groß werdenden, Garnelen zu unterscheiden.

Haltung
Die Haltung dieser Art ist einfach. Meine Tiere bewohnen ein 45 Liter Aquarium mit Hamburger Mattenfilter. Die Temperatur liegt bei 26°C. Durch automatischen Wasserwechsel werden täglich ca. 10% des Wassers ausgetauscht. Der pH-Wert liegt bei 6,8, gH ca. 6, kH 3, Nitrat ca. 15 mg/l und Nitrit nicht nachweisbar. Allerdings ist die Art auch bei einer Gesamthärte von 27 und leicht alkalischem pH-Wert gut züchtbar. Die Haltung und Zucht der Zwerggarnelen im Gartenteich von Gerd Voss hat zu einer tiefroten Färbung der Weibchen geführt, was erstens zeigt, dass die Sonne entweder direkt oder indirekt über das Futter positive Auswirkungen auf die Färbung hat und zweitens die Art mindestens zwischen 18°C und 30°C temperaturtolerant ist. Es muss jedoch erwähnt werden, dass die Tiere nicht jedes Wasser mögen. Kupfer und andere Bestandteile im Wasser können einen Bestand zusammen brechen lassen oder "nur" die Vermehrung verhindern. Aus diesem Grund durchläuft mein Wasser, trotz entsprechender Kosten, vor dem Einfüllen ins Aquarium einen Adsorptionsfilter (Adsorption: Anlagerung an eine Oberfläche).

Futter
Die Fütterung der Fire Zwerggarnelen sollte abwechslungsreich erfolgen. Neben herkömmlichem Flocken- und Granulatfutter wird gern vorher gefrorenes Gemüse wie Spinat, Paprika, Erbsen, Rosenkohl und Möhren genommen. Außerdem werden gefrorene Mückenlarven, Cyclops oder Artemia gefressen. Nicht fehlen darf auf jeden Fall trockenes und dann eingeweichtes Laub von z.B. Buchen. Algen, ob Spirulina-Tabletten oder lebende Grünalgen, sind willkommene Kost und ein veralgter Stein, aus einem anderen Aquarium eingebracht, sind ein Anziehungspunkt für die gesamte Aquarienpopulation.

Zucht
Die Fire Zwerggarnelen gehören zum spezialisierten Fortpflanzungstyp, das heißt, aus den Eiern schlüpfen bereits fertig entwickelte Garnelchen, die aussehen wie ihrer Eltern, nur viel kleiner. Die Weibchen tragen je nach Größe 20 bis 40 ca. 1 mm große Eier. Die Jungtiere schlüpfen bei ca. 25°C nach etwa 4 Wochen und sind dann knapp 2 mm groß. Trotz der geringen Größe müssen die kleinen Zwerggarnelen nicht heraus gefangen bzw. gesondert gefüttert werden. Die Alttiere stellen ihren Kindern nicht nach und in einem alt eingerichteten Aquarium mit Mulm am Boden, Javamoos und Algen finden sie genügend Futter, um innerhalb von 3 Monaten bereits geschlechtsreif zu werden.

Besonderheit
Zum Abschluss möchte ich auf eine Besonderheit bei dieser Art eingehen, auf die mich Gerd Voss aus Hannover, von dem ich im Sommer 2003 meinen Zuchtstamm bekommen hatte, aufmerksam machte. Die Eier dieser Art sind im Gegenteil zu anderen Arten nicht dunkel sondern hell gelblich gefärbt. Die Weibchen produzieren die Eier im Nacken, was gut am gelblichen Längsfleck erkennbar ist. Werden dann die gelblichen Eier unterm Hinterleib getragen, ist der Nackenfleck verschwunden. Interessanterweise weißt bei der Population, die mir ein Jahr vorher Aquarium Dietzenbach zur Verfügung gestellt hat, die Eifarbe trotz gleicher Fütterung und Wasserbedingungen eine grünliche statt gelblich Färbung auf.

Weitere Informationen über diese Art finden Sie im Internet in der Artendatenbank von www.wirbellose.de.

Bei Interesse bekommen Sie Tiere im Zoofachhandel, der bei Bedarf im Großhandel bestellen kann, von Züchtern auf der Zierfischbörse und natürlich im Internet im Kleinanzeigenmarkt von www.wirbellose.de.

16.07.2004 © Kai A. Quante, webmaster@wirbellose.de